Matthäus 22, 23-33 – Der Anecker

Nach dem vorherigen Abschnitt nun noch so eine vorgeschobene, scheinbar fromme Diskussion, bei der es nur darum geht Jesus lächerlich zu machen. Dieses mal von einer anderen theologischen Richtung, von den Sadduzäern. Während die Pharisäer mehr die einfachen Frommen aus dem Volk waren, waren die Sadduzäer die etablierten Leiter der Volksgemeinde, die aus der gehobenen Gesellschaftsschicht stammten. Als Konservative waren sie vor allem am Erhalt des religiösen und politischen Status quo interessiert. So jemand wie Jesus kommt da natürlich ungelegen.

Schon interessant, dass keine der damaligen religiösen Richtungen mit Jesus zurecht kam. Weder die frommen Pharisäer, noch die konservativen Sadduzäer und auch nicht die radikalen Zeloten. Jesus passt in kein kirchenpolitisches Lager. Er eckt überall an.

Wie das wohl heute wäre? Natürlich berufen sich alle christlichen Gruppierungen und Richtungen auf Jesus, aber wenn er heute kommen würde, würden wir mit diesem aneckenden Jesus zurecht kommen? Was für Probleme hätten wohl die Evangelikalen, die Charismatiker oder die Liberalen mit Jesus? Und welche Probleme hätte ich mit ihm? Würde ich es akzeptieren, dass er so manche meiner theologischen Überzeugungen in Frage stellen würde? Würde ich erkennen, wo ich mir falsche Vorstellungen und Erwartung von Gott gemacht habe? Würde ich es akzeptieren, dass sich Jesus eben nicht meiner theologischen und kirchenpolitischen Richtung anschließt, sondern dass er noch einmal ganz anders ist?

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