Matthäus 21, 12-18 – Für Gott nur das Beste

Wieder einmal ertappe ich mich bei so einem typischen Bibellesen-Gedanken: „Ach, die Tempelreinigung. Den Text kenn ich gut, gäähhhn.“ Und dann entdeckt man doch wieder so manches Neues! Fantastisch dieses Buch, oder?! Der Text ist ganz und gar nicht langweilig und auch nicht so altbekannt wie ich dachte.

Mir war nicht mehr bewusst, dass Jesus nicht nur die Händler hinaustreibt, sondern auch die Käufer. Er wendet sich nicht nur gegen die religiösen Geschäftemacher, sondern auch gegen diejenigen, die sich darauf einlassen. Spannend ist außerdem dass (zumindest bei Matthäus) Jesus danach Blinde und Lahme im Tempel heilt. Menschen Heilung zu schenken entspricht offensichtlich sehr viel mehr Gottes Wille für den Tempel.

Was mich bei der Matthäus-Variante der Tempelreinigung besonders erstaunt hat, war die Reaktion der Hohenpriester und Schriftgelehrten. Sie sind natürlich gegen Jesus. Aber so wie Matthäus das darstellt, sind sie vor allem von den Heilungswundern und den Hosianna-Rufen der Kinder genervt. Sie scheinen sich weniger darüber aufzuregen, dass Jesus auf recht aggresive Weise die Geschäftemacher rauswirft, als viel mehr darüber, dass Jesus Blinde, Lahme und Kinder in den Tempel lässt!

Das ist wahrscheinlich das revolutionärste bei Jesus: Dass man sich den Zugang zu Gott nicht erst erkaufen oder verdienen muss, sondern dass gerade die Krüppel, Armen, Hilflosen, Kranken und die Kinder zu Gott kommen dürfen. Nach damaligem Verständnis haben Blinde, Lahme und Kinder nichts im Tempel verloren. Um Gott angemessen dienen zu können, musste man (in Anlehnung an alttestamentliche Vorstellungen) rein und perfekt sein. Man muss untadelig sein und durfte auch keine körperlichen Fehler haben. So nach dem Motto: „Für Gott nur das Beste!“ Jesus stellt das auf den Kopf und sagt: Nein, gerade das Kaputte und scheinbar Minderwertige darf zu Gott kommen.

Bewerte diesen Artikel

2 Gedanken zu „Matthäus 21, 12-18 – Für Gott nur das Beste“

  1. Es stimmt.Auch mir kommen immer wieder neue Gedanken zu eigentlich bekannten Bibelstellen.
    Herzlichen Dank für die -wieder einmal-ganz neuen Gedanken zu dieser Geschichte.So hatte ich es bisher noch nicht gesehen.Aber diese neue Sicht ist so tröstlich und beglückend(auch wenn das jetzt schwülstig klingen sollte)empfinde ich es doch so
    Liebe Grüße und Gottes reichen Segen
    Heidi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.