Matthäus 19, 27-30 – Krieg ich auch was dafür?

Darf man das? Darf man Jesus nach einer Belohnung für die eigene Leistung fragen? Sollen wir unseren Glauben nicht selbstlos leben? Sollen wir nicht Gott und andere um ihrer selbst willen lieben? Petrus fragt hier ganz offen: „Hey Meister, wir bringen hier ganz schön viel Einsatz! Bekommen wir dafür auch was?“

Man hätte vermuten können, dass Jesus die Jünger jetzt erst mal rund macht. Als es um die Frage ging, wer der Größte im Himmelreich sei (Mt.18,1-9), da hat er ihnen ein Kind als Vorbild hingestellt. Sie sollen nicht nach Größe hecheln, sondern sich selbst erniedrigen. Interessant, dass Jesus jetzt auf eine Frage, die in eine ähnliche Richtung geht, auf ganz andere Weise antwortet. Er fordert Petrus nicht zur Demut auf. Er sagt nicht: Lass dir an Gottes Gnade genügen. Sondern er sagt: „Ja klar werdet ihr Lohn bekommen und zwar dicke!“ Die Jünger werden in der zukünftigen Welt auf zwölf Thronen sitzen und über Israel richten (so ganz nebenbei: Vielleicht ist die Vorstellung der kath. Kirche, dass die Heiligen eines Tages ein gutes Wort für uns einlegen könnten gar nicht soooo abwegig…?). Und die Jünger werden für das, was sie alles aufgegeben haben hundertfach entschädigt werden.

Es ist also okay, nach dem Lohn zu fragen. Es ist legitim zu fragen, ob mir der Glaube was bringt. Jesus weist diese Frage nicht als unangemessen ab, sondern verspricht eine klasse Rendite.

Spannend finde ich noch den Vergleich mit dem gleichen Text bei Markus. Markus legt sehr viel mehr Wert darauf, dass sich die Nachfolge schon jetzt, hier in dieser Welt auf ganz irdische Weise erfüllt. Matthäus legt mehr das Gewicht auf die zukünftige Welt. Markus lässt das mit den Thronen und dem Richten über andere weg und betont ausdrücklich, dass es die hunderfache Entschädigung schon „jetzt in dieser Zeit“ gibt. Schon damals gab es also unterschiedliche Ansichten, ob der Glaube eher ein Wohlstandsevangelium ist (die Belohnung gibts auch jetzt schon) oder ob er mehr eine Jenseitshoffnung ist (der eigentliche Lohn wird erst in der Zukunft ausgezahlt).

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.