Matthäus 16, 13-20 – Vom Petrus zum Papst

Die klassische Stelle, mit der in der katholischen Kirche das Papsttum begründet wird. Kann ich bis heute nicht nachvollziehen – die ganze Sache mit dem Papst. Da wird viel zu viel hinein interpretiert in diesen Text. Da steht nur was von Petrus und nichts über irgendwelche Nachfolger des Petrus. Dann müsste man fragen, ob der Fels, auf den Jesus seine Gemeinde aufbaut, gleichbedeutend ist mit einem hierarchischen Anführer, der in seiner Person Christus selbst auf Erden repräsentiert. Und dann muss man natürlich feststellen, dass diese sogenannte Schlüsselgewalt nicht nur Petrus übertragen wurde, sondern auch den anderen Jüngern.

Andererseits müssen natürlich auch wir Protestanten uns fragen, was wir aus dieser Stelle machen. Wir lassen diese Vorrangstellung einzelner Jünger gern unter den Tisch fallen und betonen das „demokratische“ Priestertum aller Gläubigen. Bei uns ist jeder sein eigener kleiner Papst, der alle Lehrentscheidungen alleine zu treffen hat. 😉 Es ist ja schon interessant, dass Jesus einzelne Jünger aus der Masse heraushebt. Ganz oben steht Petrus. Dann kommen die Brüder Johannes und Jakobus. Dann die restlichen der zwölf Jünger. Dann wird einmal von 72 Jüngern gesprochen. Und darüber hinaus gibt es noch weitere Anhänger. Hört sich irgendwie ziemlich hierarchisch an, oder?!? Jesus muss sich ja mit dieser besonderen Hervorhebung des Petrus (vor allen anderen Jüngern) etwas gedacht haben.

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4 Gedanken zu „Matthäus 16, 13-20 – Vom Petrus zum Papst“

  1. huch – wo siehst du denn eine „besondere Hervorhebung“??
    – irgendwie muss es doch mal anfangen…

    Was mir hier auffällt:
    Jesus nennt ihn in V.17 noch Simon, Bar Jona, stellt aber dann klar, dass sein Bekenntnis NICHT von ihm kommt „Fleisch und Blut“, sondern eine Offenbarung des Geistes ist. Daraufhin bekommt er von Jesus den neuen Namen Petrus, denn „auf diesem Felsen“ wird er die Gemeinde bauen = Bekenntnis durch Offenbarung des Gottessohnes (Geist) und nicht auf dem „alten Menschen“ (Fleisch/überlieferte Religion)!

    Im Grunde besagt diese Stelle genau das Gegenteil von der Lehre der KK, es geht nämlich NULL um die Person Simon BJ oder religiöse Systeme!

    So erschließt sich dann auch „werde DIR die Schlüssel geben“, denn er gibt sie eben nicht der Person Simon Bar Jona, sondern dem „Felsen“ der Offenbarungs-Erkenntnis, wer Jesus wirklich ist. Dieser Felsen wird alles binden und lösen auf Erden für den Himmel.

    Soweit die offizielle Lehrmeinung der Bentoraner 😉
    (aber das Thema geistl. Leitung interessiert mich grade auch!)

    eigentl. wollte ich dir hier meine bisherige Ansicht „verkaufen“, dass Petrus den Schlüssel an Pfingsten ja durch die erste geistgewirkte Predigt schon benutzt hat und so der Zugang in das Königreich seitdem offen ist – doch da steht ja die Mzl. „Schlüssel“ und damit kann eigentl. nur gemeint sein, dass JEDER „Petrus“ einen Schlüssel erhält das Königreich zu öffnen, denn es gibt ja nicht „mehrere Türen“…

    echt schlimm, wenn Kommentare länger werden als der ursprgl. Post 🙂

    1. Mhm. Papst windhauch ist von der Lehrmeinung der Bentorianer nicht überzeugt und erklärt feierlich… 😉

      dass man die Person des Petrus nicht so einfach aus der Sache rausstreichen kann. Genau das macht ja auch die kath. Kirche: Es geht nicht um die Person Petrus, sondern um das Amt (das bei denen natürlich auch mit besonderer Geistbegabung verbunden ist, welche dann jeweils auf den Nachfolger übertragen wird). Bei dir ginge es dann auch nicht um die Person, sondern um die Geistbegabung, die aber nicht an ein Amt gebunden ist.
      Rein sprachlich gesehen bezieht sich Jesus aber eindeutig auf den als konkrete Person vor ihm stehenden Petrus. „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“ „Diesen“ bezieht sich auf Petrus (und eben nicht auf seine „Nachfolger“ und auch nicht nur auf sein geistgeschenktes Bekenntnis).

      Was dann bedeutet, ist wieder eine andere Frage. Wir sehen ja im folgenden Abschnitt gleich, dass Petrus dadurch nicht plötzlich alles richtig machte („Weiche von mir Satan“). Fels ist er nur als der vom Geist erneuerte Mensch, der sich von Gott leiten lässt und nicht vom „Fleisch“ (da bin ich ganz deiner Meinung).
      Ich denke schon, dass Jesus ganz bewusst die Persönlichkeit seiner Jünger wahrgenommen hat und ihnen unterschiedliche Aufgaben zugemutet hat. Am auffälligsten wird das für mich bei der Verklärungsgeschichte. Jesus nimmt nur drei seiner Jünger mit: Petrus, Johannes und Jakobus. Damit hebt er sie aus dem Zwölferkreis heraus und überträgt ihnen auch besondere Verantwortung.

  2. es gäbe noch viel zu sagen…

    doch nur mal diesen Aspekt –
    fällt es nicht auf, das Jesus sagt:
    DU bist Petrus,
    DIR Schlüssel geben,
    DU binden und lösen…

    aber er sagt –
    auf DIESEM Felsen!

    ..warum wohl sagt er nicht –
    auf DIR werde ich bauen…

    ??

    ..und jetzt les ich mir erstmal deinen nächsten Post durch, bevor ich hier noch frage –
    ist Petrus etwa der Satan?
    weil Jesus zu ihm sagt:

    DU bist mir ein Ärgernis,
    DU sinnst nicht was göttlich ist…

    😉

  3. Ich denk das liegt an dem Wortspiel mit dem Felsen. Jesus gibt Simon den neuen Namen Petrus (= Fels) und sagt dann: Auf diesen Felsen will ich… Sonst müsste er sich etwas komplizierter ausdrücken: Auf dich, der du ein Fels bist, will ich…

    Aber deine Sicht des Textes hat mir deutlich gemacht, dass es nicht um Petrus an sich geht, nicht um seine natürliche Gabe zur Leitung (er hat sich ja bekanntlichermaßen im Jüngerkreis immer wieder durch eine besonders forsche Art und große Klappe hervorgetan).
    Es geht um den Petrus, der die Verbindung zu Gott hat, um den „neuen Petrus“, der Jesus erkennt und der die Stimme des Vaters hört. Nur dieser Petrus kann der Fels sein, auf dem Jesus seine Gemeinde baut. Im nächsten Abschnitt sehen wir dann ja deutlich, dass auch bei Petrus sehr schnell der alte Simon wieder aufblitzen kann. Und auf diesen alten Simon, da kann man keine Gemeinde bauen…

    Ich würde halt nicht so weit gehen, den Vergleich mit dem Felsen völlig von der historischen Person Petrus zu trennen, denn zu dem spricht Jesus in der Situation und er bekommt diesen neuen Namen Petrus. Das schließt nicht aus, dass auch andere zu solchen Felsen der Gemeinde werden können (vgl. dazu auch Eph.2,20)

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