Matthäus 15, 21-28 – Wahrer Gott und wahrer Mensch

Was ist das für ein Jesus in diesem Text? Da bittet eine kanaanäische Frau Jesus um Hilfe: Sie bittet, dass er ihrer kranken Tochter hilft. Jesus aber reagiert zunächst gar nicht und auf Nachfrage seiner Jünger antwortet er ziemlich abweisend, dass er nur zu den Israeliten gesandt sei. Erst aufgrund der Hartnäckigkeit der Frau heilt er dann die Tochter. Das ist entweder ein sehr menschlicher Jesus, der erst in der Begegnung mit dieser ausländischen Frau lernen muss, dass er nicht nur für Israel da ist, sondern auch für andere Völker. Oder es ist ein sehr göttlicher Jesus, der natürlich ganz genau weiß, dass er auch zu den Heiden gesandt ist, der aber durch seine Zurückhaltung den Glauben der Frau herauskitzelt.

Der Text selbst lässt m.E. beide Möglichkeiten zu. Es kommt darauf an, was für ein Jesusbild ich habe und mit welchem Vorverständnis ich an den Text rangehe. Mir liegt die erste Variante näher: Jesus war wirklich ein Mensch, der auch im Lauf seines Lebens viel dazu lernen musste und der eben nicht von Anfang an über alles Bescheid wusste. Hab mal von einem Bibelschullehrer gehört der meinte: „Jesus kannte den Brockhaus nicht auswendig.“ Das ist ja gerade das Schöne bei Jesus, dass er uns in allem gleich wurde (Hebr.2,17f) und dass auch er erst den Gehorsam lernen musste ( Hebr.5,8). Vielleicht hat er ja auch erst nach und nach seinen Auftrag entdecken müssen und erst nach und nach verstanden, dass er nicht nur ein Prophet für Israel ist, sondern der Heiland für die ganze Welt. Dieses Gespräch mit der Frau könnte dann ein Punkt gewesen sein, an dem ihm das etwas deutlicher wurde. Natürlich war er trotzdem wahrer Gott, aber ich denke seine Göttlichkeit lag nicht in einer Allwissenheit von Anfang an begründet, sondern in seiner engen Verbindung zum Vater.

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