Matthäus 12, 9-14 – Göttlicher Blitzkasten

BlitzerWie im vorigen Abschnitt (Matthäus 12, 1-8 – Barmherzigkeit vs. Gesetz) geht es wieder um eine Auseinandersetzung mit den Pharisäern: Was ist am Sabbat erlaubt und was nicht? Jesus heilt am Sabbat einen Mann mit einer verkrüppelten Hand. Nach pharisäischer Auffassung war das eine ärztliche Hilfeleistung. Die war am Sabbat aber nur bei Lebensgefahr zugelassen, ansonsten zählte sie als Arbeit und fiel somit unter das Verbot am Sabbat zu arbeiten.

Jesus will mit dieser Heilung nicht das Gesetz aufheben. Auch er steht voll und ganz hinter dem Gebot, den Sabbat zu heiligen. Aber er macht eine grundsätzlich andere Sichtweise von Gottes Geboten deutlich. Die Pharisäer klopfen die Gebote danach ab, was sie gerade noch erlauben und was nicht. Sie fragen mit negativer Blickrichtung: Was darf ich nicht tun und was nicht? Jesus sieht viel mehr die positive Richtung der Gebote. Er fragt positiv: Was soll ich nach dem Willen Gottes tun?

Ich finde es in diesem Beispiel richtig unerträglich und menschenverachtend, wie die Pharisäer im Namen Gottes auf ihre Interpretation des Gesetzes pochen, anstatt sich mit dem Geheilten zu freuen. Aber haben wir heute als Christen nicht oft auch dieselbe Blickrichtung? Wir fragen uns oft: Darf ich das als Christ oder darf ich das nicht? Wie weit darf ich gehen? Gott ist dann so etwas wie der Blitzkasten, der genau misst, wie schnell ich unterwegs bin. Sobald ich dann etwas zu schnell bin, blitzt es und es gibt einen Strafzettel. Mein Denken kreist dann darum, wie schnell ich gerade noch fahren kann, um nicht erwischt zu werden.

Aber Gottes Gebote haben eine ganz andere Zielrichtung: Jesus sagt, dass es darum geht, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben. Und Liebe zeigt sich in erster Linie nicht in dem, was ich dem anderen nicht tue, sondern viel mehr in dem, was ich für den anderen tue. Mein Denken sollte nicht darum kreisen, was ich als Christ nicht tun sollte, um von Gott keinen Strafzettel zu bekommen, sondern darum, was ich tun sollte, um Gott und anderen Menschen liebevoll zu begegnen. Gott ist viel trauriger über all das Gute, das wir nicht tun, als über manche Grenzübertretungen bei einzelnen Geboten.

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Bildquelle: aboutpixel.de / Ich seh Dich… © Gyross

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