Matthäus 12, 1-8 – Barmherzigkeit vs. Gesetz

ÄhrenJesus diskutiert an dieser Stelle mit einigen Pharisäern, ob das Ährenausraufen seiner Jünger am Sabbat gegen das Gesetz verstößt oder nicht. Für die Pharisäer war das Arbeit und nach den zehn Geboten ist Arbeit am Sabbat verboten. In Jesu Antwort vermischen sich verschiedene Argumente.

Ein Argumentationsstrang ist, dass es schon im Alten Testament Beispiele gibt, dass in Notsituationen das Gesetz übertreten werden darf. Er führt David an, der hungrig war und aufgrund mangelnder Alternativen die Schaubrote im Tempel gegessen hat. Jesus sagt damit, dass der Hunger seiner Jünger mehr zählt als das übertriebene Einhalten des Gesetzes.

Ein weiteres Argument ist, dass die Priester schon immer aufgrund ihrer besonderen Aufgabe und Stellung für den Dienst im Tempel auch am Sabbat Arbeit verrichten mussten. Jesus betont, dass er mit seiner Aufgabe und Stellung noch größer und wichtiger als der Tempel ist. In diese Richtung geht auch der Ausspruch in V.8: Der Menschensohn (damit meint er sich selbst) ist ein Herr über den Sabbat.

Schließlich noch ein drittes Argument: Für Gott ist Barmherzigkeit wichtiger als Opfer. Natürlich war auch für die Pharisäer Barmherzigkeit wichtig. Sie sahen Gesetz, Opfer und Liebeserweise als die drei grundlegenden Pfeiler des Glaubens und der ganzen Welt an (Quelle: Neues Testament Deutsch). Doch während die Pharisäer offensichtlich mehr das Gesetz betonten macht Jesus hier deutlich: Die Barmherzigkeit überbietet die zwei anderen Pfeiler und hebt sie im Konflikt sogar auf.

Damit begibt sich Jesus auf schwierigen Boden. Denn sture Gesetzeserfüllung ist leichter als immer wieder neu zu überlegen, ab wann die Barmherzigkeit die guten und richtigen Grundregeln Gottes im Gesetz aufhebt. Wir kennen das ja bis heute: Der (leider oft unbarmherzige Streit) darüber, welche Gebote man im Namen der Liebe in Konfliktsituationen aussetzen darf. Da gibt es bis heute die beiden Extreme einer sturen Gesetzlichkeit und einer alles relativierenden Gleichgültigkeit.

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2 Gedanken zu „Matthäus 12, 1-8 – Barmherzigkeit vs. Gesetz“

  1. Habe letztens in einer Predigt das zum Thema „Gesetz“ gehört:
    Das Gesetz ist gut und richtig.
    Jesus erfüllt das Gesetz und bestätigt es – aber Er geht noch weiter!
    Er erfüllt es „über die Maßen“. Sozusagen „Gesetz + noch mehr“.
    War ein interessanter Gedanke.

    Segen!
    Dirk.

    1. Ich denke auch, dass man Jesus nicht einfach gegen das Gesetz ausspielen kann. Er geht weiter. Er dringt zum Herzen der Gebote vor und bleibt nicht beim Buchstaben hängen. Und das kann manchmal zu Konflikten mit den Buchstabenliebhabern führen… 😉

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