Matthäus 10, 1-15 – Missionsbefehl

Beim Stichwort Missionsbefehl denke ich normalerweise an Matthäus 28: „Geheht hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufets sie… lehret sie….“ Aber auch hier in Matthäus 10 findet sich ein Missionsbefehl: „Geht aber und predigt… macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus.“ Bei Matthäus 28 wird ja immer betont, dass das für alle Jünger zu allen Zeiten gilt. Jeder soll ein Missionar sein und andere in die Nachfolge führen. Hier bei Matthäus 10 ist mein erster Gedanke: Das ist ja eine einmalige Aktion damals, die nur die zwölf Jünger damals betrifft. Ich? Hingehen und Kranke heilen, Tote auferwecken, böse Geister austreiben? Neeee! Das ist mir eine Nummer zu groß! Predigen, was von Jesus erzählen, andere meinen Glauben bezeugen – das ist ja schon schwer genug!

Man kann argumentieren: Mt. 28 ist der Abschluss des Evangeliums. Nach Kreuz und Auferstehung gibt Jesus hier seinen Jüngern das Wichtigste und Zentralste mit auf den Weg. Deshalb ist Mt. 28 zentraler als Mt. 10. Aber meine instinktive Abwerhhaltung gegen Mt. 10 macht mich auch nachdenklich: Gilt das wirklich nur für die 12 Jünger damals, in dieser bestimmten Situation? Was die Sache schwierg macht ist ja: Den Auftrag von Mt. 28 kann ich eher aus eigenen Kräften befolgen. Predigen und taufen – das geht zur Not auch ohne göttliche Kraftausstattung. Aber heilen und Tote auferwecken – da brauch ich ganz sicher Gottes Wirken. Ich frage mich: Wie kann diese ganzheitliche Dimension der Mission auch heute wieder mehr Wirklichkeit werden? Fehlt es am Mut? Am Vertrauen? An der Bevollmächtigung? Oder sind heute einfach andere Dinge wichtig? Hat Jesus selbst gemerkt, dass er mit Wundern und Heilungen letztendlich nur wenige dauerhaft für seine Sache gewinnt? Ich weiß nicht…

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Ein Gedanke zu „Matthäus 10, 1-15 – Missionsbefehl“

  1. Lieber Jochen Röhl,

    in Mt 10 bevollmächtigte Jesus seine Jünger, unter Israeliten dieselben Wunder zu tun, die sie ihn bereits selbst hatten tun sehen. In Mt 28 erweiterte er die Sendung auf die ganze Welt mit der spezifischen Aufgabe, alle Menschen zu seinen Nachfolgern zu machen. Als Bestätigung bei der Ausführung dieses Sendungsauftrags wurden ihnen Zeichen und Wunder verheißen (Mk 16).

    Der Grund, weshalb wir uns hier und heute so schwer tun damit, liegt darin, dass wir sesshaften westlichen Christen und Gemeinden diese Sendung meist nicht mehr leben. In Ländern aber, wo sie praktiziert wird (China, Nordkorea, Afrika, Südamerika etc.), ist die „ganzheitliche Dimension der Mission“ auch heute noch live erlebbar.

    Die Herausforderung wäre, unser historisch geprägtes, kulturell verengtes Christentum vom Wort Gottes vorurteilsfrei in Frage stellen zu lassen und uns wieder neu am Sendungsauftrag Jesu auszurichten. Unserem Glaubensgehorsam würde der Herr auch in der Postmoderne Zeichen und Wundern folgen lassen, davon bin ich fest überzeugt.

    Herzliche Segensgrüße

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