Matthäus 1, 18-25 – Das ganz normale Wunder

schwangere Frau

Eine Geschichte, die man schon tausendmal gehört und gelesen hat. Was mir dieses mal aufgefallen ist, ist die Art und Weise wie das erzählt wird: Knapp und nüchtern, so als ob es das normalste der Welt wäre, dass da jemand vom Heiligen Geist schwanger wird! Besonders Luther übersetzt das mit einem fast schon parodistischen Augenzwinkern: „es fand sich“, dass Maria schwanger war. Maria und Josef sind verlobt, sie freuen sich jupheidi und trallala. Und dann, beim näheren hinschauen, „findet es sich“, dass die Frau ein Kind bekommt! Aber hoppla, wie konnte das passieren? Wir haben doch noch gar nicht miteinander geschlafen?!? Achso, vom Heiligen Geist? Was besseres ist dir wohl nicht eingefallen?

Dass Josef sie dann heimlich verlassen wollte war eigentlich keine Schweinerei, sondern im Gegenteil, noch sehr nett von ihm. Nach damaligem Recht hätte er sie auch wegen Ehebruchs verklagen können und wäre dann nicht als weggelaufenes Weichei dagestanden. Aber wie wir wissen ging’s ja dann genau so krass weiter. Ein Engel sagt ihm, dass er bleiben soll und er tut’s dann sogar noch – ohne dass er genauere Erklärungen verlangt, was das denn alles soll.

Ich find‘ s irgendwie echt klasse wie nüchtern und normal Matthäus das alles erzählt. Ihr merkt ja, wie auch ich kräftig dabei bin die Geschichte ein bisschen auszuschmücken und reißerischer darzustellen – und genügend Ansätze dazu gibt die Geschichte ja her: Wie fühlte sich Maria? Was ging Josef durch den Kopf? Was sagten die Nachbarn und die Eltern? Die Bildzeitung würde heutzutage die Geschichte wohl ganz anders erzählen. Von Vermarktung, Öffentlichkeitsarbeit und phantasievollem Schreiben scheint Matthäus keine Ahnung zu haben – aber genau das mag ich an der Bibel: Da geschehen total abgefahrene Sachen, aber die Bibel bleibt ganz nüchtern, knapp und sachlich.


Bildquelle: aboutpixel.de / bauchschwanger © connor212
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