Matthäus 1, 1-17 – Langweiliger Stammbaum?

So, nachdem ich die Korintherbriefe durch habe kommt jetzt das nächste Buch dran: Matthäus. Nach den eher abstrakten und problemorientierten Briefen freu ich mich auf die anschaulichen Geschichten des Evangeliums…

Allerdings geht’s gleich mal auf nicht besonders spannende Weise los: Mit einer langen Liste von Namen – der Stammbaum von Jesus. Rein vom schriftstellerischen her müsste man sagen: Kein besonders geglückter Einstieg. Am Anfang muss doch etwas spannendes stehen! Etwas, das den Leser fesselt und zum weiterlesen animiert!

Aber wenn man den Stammbaum genauer anschaut, dann hat er zumindest auch seine spannenden Seiten. Interessant ist z.B. der Vegleich mit dem Stammbaum Jesu bei Lukas (Lk.3,23-38). Ich hab die beiden jetzt nicht genau verglichen, aber eines ist offensichtlich: Matthäus geht beim Stammbaum bis zu Abraham zurück und Lukas bis zu Adam. Schon bei solch einer trockenen Aufzählung der Vorfahren Jesu kann also jede Menge Theologie drin stecken: Matthäus betrachtet Jesus aus jüdischem Blickwinkel. Bei ihm ist Jesus Nachkomme Abrahams. Bei ihm steht Jesus ganz in jüdischer Tradition. Lukas hat einen weiteren Blick. Für ihn ist Jesus der Mensch schlechthin. Lukas hat die ganze Menschheit im Blick und betont, dass Jesus für alle gekommen ist.

Auffällig sind bei Matthäus auch die vier Frauen, die (neben Jesu Mutter Maria) in dem Stammbaum auftauchen. Rahab und Rut waren keine Israelitinnen. Tamar und die Frau des Uria galten als Sünderinnen (wobei ja bei der Frau der Uria der Ehebruch nicht von ihr ausging, sondern vom großen König David). Das ist schon erstaunlich, dass Matthäus, der in einer patriarchalischen Gesellschaft aufwuchs in der Frauen keine große Bedeutung hatten, dass er überhaupt diese Frauen erwähnt. Und dann auch noch Ausländerinnen und Sünderinnen! Damit deutet auch der Judenchrist Matthäus gleich zu Beginn an, dass Jesus weit über den frommen jüdischen Bereich hinaus wirken möchte. Er ist gerade auch zu den Nichtjuden und zu den Sündern gekommen. Zum Glück für uns!

Bewerte diesen Artikel

Ein Gedanke zu „Matthäus 1, 1-17 – Langweiliger Stammbaum?“

  1. Was ist das denn für ein Unsinn?

    Das 14-er Raster bei Matthäus geht nicht auf. Das können Sie in jedem ernstzunehmenden Kommentar (z.B. EKK, Luz) lesen. Es fehlen 4 Könige. Josija ist falsch eingeordnet, er war zur Wegführung in die Gefangenschaft schon tot und hat folglich zu dieser Zeit auch nicht seinen Enkel Jechonja gezeugt.
    Auf Jechonja lag der Fluch des Jeremia.
    Josef, über den der Stammbaum läuft, ist mit Jesus nicht verwandt, da Maria Jungfrau.
    EKK, Luz: „Stammbaum ist fiktiv. Warum der Mariasohn Davidide ist, erklärt Matthäus nicht.“ Der Kommentar steht in jeder theol. Fakultät .. und bei auch bei so manchen Pastor!

    MfG
    Mario Engelhardt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.