Markus 2, 1-12 – Fromme Egoisten

Zwei Gedanken von Douglass zu diesem Text die (zumindest mich) ins Herz treffen: Da wollen vier Freunde einen Gelähmten zu Jesus bringen, damit er ihn heilt. Aber sie kommen nicht durch. Jesus ist im Haus und die Menschenmenge drängt sich in und um das Haus, um Jesus zu sehen und hören. Das erschreckende an dieser Geschichte ist, dass gerade diejenigen, die nahe bei Jesus sein wollen, das größte Hindernis sind! Warum macht niemand Platz für diesen Gelähmten, der ganz offensichtlich zu Jesus kommen möchte und seine Hilfe braucht?!?! Das ist eine echte Katastrophe: Menschen, die nahe bei Jesus sein wollen und die durch ihr Verhalten andere davon abhalten, zu Jesus zu kommen. Fromme Egoisten, denen ihr eigenes religiöses Erlebnis wichtiger ist, als die Heilung anderer. Eine ganz ähnliche Beobachtung lässt sich auch in dem Text Mt. 20,29-34 machen.

Die andere faszinierende Beobachtung an diesem Text: Jesus vergibt dem Gelähmten seine Schuld, ohne dass er vorher die Beichte abnimmt. Jesus vergibt einfach so! Ohne Sündenerkenntnis, ohne erkennbare Buße! Bei ihm lief es oft anders herum, als wir das heute normalerweise sehen und praktizieren: Er hat zuerst einmal die Menschen angenommen und ihnen vergeben und erst danach kam die Sündenerkenntnis und die Beichte. Mir fällt dazu auch der Zachäus ein: Auch ihn hat er erst einmal zu sich gerufen, ihn akzeptiert, war bereit mit ihm zu feiern – und erst auf diese Annahme hin war Zachäus bereit zur Umkehr.

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