Marianne Fredriksson: Noreas Geschichte

Also viel biblisches darf man von diesem Buch nicht erwarten. Es geht um Norea, die nach alten Mythen eine Tochter von Adam und Eva gewesen sein soll. Fredriksson erzählt die fiktive Lebensgeschichte dieser Norea, die einen besonderen Zugang zur übersinnlichen Welt gehabt haben soll. In dem Buch finden sich allerdings wenig biblische Bezugspunkte und dafür eher gnostisches und tiefenpsychologisches Gedankengut (die Gnosis ist eine religiöse Strömung, die es v.a. im 2.-3. Jh. gab und in der ein buntes Mischmasch an religiösen und philosophischen Gedankengut gab; ein zentraler Gedanke ist z.B., dass jeder Mensch einen göttlichen Funken in sich hat und dass wir uns durch Entfaltung dieses Funkens irgendwie selbst erlösen könnten).

Nichts desto trotz hab ich das Buch gern gelesen. Es ist gut geschrieben und entführt einen in eine faszinierende alt-orientalische Welt. Man bekommt eine kleine Ahnung, in was für einer „Götter-durchtränkten“ Welt das Volk Israel damals am Glauben an den einen Gott festgehalten hat. Außerdem hat die Geschichte trotz allem esoterischen Firlefanz genügend Spannung, um zu fesseln.

Interessant fand ich auch, dass durch das Buch deutlich wird, dass die Gnosis kein längst vergangenes kleines Strohfeuer war, sondern dass viele gnostische Gedanken bis heute aktuell sind und z.B. in Verbindung mit der Tiefenpsychologie für die Menschen ihren Reiz hat. Das Göttliche in sich selbst zu entdecken und das rechnen mit parapsychologischen Erfahrungen spricht auch die Menschen heute noch an (zumindest scheint die Autorin davon recht angetan zu sein). Der Gott der Bibel wird von Fredriksson dagegen mit Schuld, Angst und Unfreiheit in Verbindung gebracht.

Das Buch zeigt mir wieder mal, dass es mehr gibt als die streng logisch-wissenschaftliche Weltsicht der Aufklärung. Es gibt zwischen Himmel und Erde viele Dinge, die wir mit unserem Verstand nicht so einfach einordnen und erklären können. Eigentlich müssten wir Christen ja auch von dieser neuen Offenheit für das Übersinnliche profitieren können. Aber irgendwie scheinen wir unseren Glauben so zu leben, dass unser Gott nur mit Schuld, Angst und Unfreiheit in Verbindung gebracht wird…

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