Lukas 9, 18-27 Jesu Kreuz und unser Kreuz

Über die Parallelstelle in Markus habe ich vor einigen Wochen gepredigt. Bei der Vorbereitung dazu ist mir vor allem die Verbindung von Jesu Kreuz und unserem Kreuz aufgefallen. Jesus kündigt seinen Leidensweg an, also seinen Weg ans Kreuz. Gleich darauf kündigt er an, dass auch seine Nachfolger ihr Kreuz auf sich nehmen müssen. Wie auch immer man das am Ende auslegt – es wird deutlich, dass unser Weg als Christen nicht immer nur einfach und bequem ist.

Interessant im Vergleich zum Text bei Markus ist, dass schon Lukas versucht zu deuten, was Jesus mit dem Kreuz tragen gemeint hat. Bei Markus heißt es, dass die Nachfolger sich selbst verleugnen sollen und ihr Kreuz auf sich nehmen sollen. Lukas ergänzt das und schreibt, dass wir unser Kreuz „täglich“ auf uns nehmen sollen. Das Kreuz als Todesinstrument ist ja eigentlich ein einmaliges Geschehen. So z.B. wenn ein christlicher Märtyrer bereit ist, für seinen Glauben zu sterben. Das tägliche Kreuz muss aber mehr sein, sonst könnten wir es nicht täglich und immer wieder neu auf uns nehmen.

Ich find es spannend, wie schon in der Bibel selbst deutlich wird, dass Jesu Worte offen sind für verschiedene Deutungen. Es gibt nicht die eine immer klare und selbstverständlich richtige Auslegung der Worte Jesu. Schon Lukas legt sie ein klein wenig anders aus als Markus. So muss es auch bei uns sein: die entscheidende Frage ist nicht, was Jesus damals wortwörtlich gesagt hat, sondern was Jesus mir heute sagen will. Wobei ich gegen einen historischen Relativismus bin: die Evangelisten wollen auch erzählen, was damals geschehen ist und stimmen in ihren grundlegenden Überlieferung weitgehend miteinander überein. Die Deutung von Lukas ist nicht völlig gegensätzlich zum Bericht bei Markus. Er legt andere Schwerpunkte.

| Bibeltext |

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