Lukas 6, 1-5 Die Jesus-Brille

Jesu geht mit seinen Jüngern am Sabbat durch ein Kornfeld. Die Jünger schnappen sich einige Ähren, zerreiben sie und essen die Körner. Das ist nach 5. Mo 23,26 ausdrücklich erlaubt. Aber einige Pharisäer sehen darin Erntearbeit und werfen Jesus vor, dass seine Jünger dadurch das Gebot der Sabbatheiligung brechen. Ganz egal welche Motivation hinter diesem Vorwurf steckt – die Frage bleibt ja auch für uns heute: Was heißt es, Gottes Wort und seine Gebote ernst zu nehmen? Was heißt es hier im konkreten Fall den Sabbat zu heiligen?

Manche meinen: Je ernster ich Gott nehme, desto radikaler und enger muss ich seinen Geboten folgen. Schon mit dem leisesten Hauch von Arbeit übertrete ich Gottes Gebot. In der Parallelstelle bei Markus wird uns dagegen eine allgemeine Regel gegeben: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ (Mk.2,27) D.h. dass Gott uns Gebote zu unserem Besten gibt und nicht, um uns damit zu knechten. Es kommt auf den Geist der Gebote an und nicht auf den Buchstaben.

Lukas lässt diese allgemeine Regel weg und erklärt alles von Jesus her: „Der Menschensohn ist ein Herr über den Sabbat.“ (V.5) So weist er noch radikaler als Markus (der diese Erklärung neben der allgemeinen Regel auch noch aufführt) darauf hin, dass wir Gottes Gebote nur von Jesus Christus her verstehen und leben können. Gottes Wort ist keine abstrakte Wahrheit, sondern will immer von Christus her gedeutet werden. Beim Bibellesen sollten wir also immer die Jesus-Brille aufhaben…

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