Lukas 22, 39-46 Eins mit dem Vater

Die Trinitätslehre und mit ihr die Zweinaturenlehre (Jesus Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott) ist ein nachträglicher Versuch, dem Anspruch und Wirken des Jesus von Nazareth gerecht zu werden. Wir können nur in der Rückschau sagen, dass dieser Mensch zugleich auch Gottes Sohn und damit eins mit Gott war. Als Christen glauben wir, dass sich Gott in diesem Menschen in unüberbietbarer Weise offenbart hat.

An Bibelstellen wie der heutigen können wir erkennen, wie begrenzt die Trinitätslehre ist. Es ist der Versuch etwas in Worte und Logik zu fassen, was eigentlich nicht zu beschreiben und begreifen ist. Jesus betet im Garten Getsemane: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ (V.42) Wie kann das überhaupt gehen, dass der Sohn Gottes, der doch eins mit Gott ist, einen anderen Willen hat als Gott der Vater? Ist Gott in sich selbst uneinig?

Und doch wird gerade an dieser Stelle die Einheit Jesu mit dem Vater deutlich: er willigt letztendlich in den Willen des Vaters ein. Er wird eins mit ihm. Jesu Einheit mit dem Vater ist keine abstrakte und vorgegebene Einheit, sondern etwas das sich entwickelt, bewährt und bewahrheitet. Erst im Rückblick können wir erkennen: Dieser ist wahrhaftig Gottes Sohn gewesen. Aber er ist zugleich auch wahrhaftig Mensch gewesen, der um die Einheit seines Willens mit dem des Vaters ringen musste.

| Bibeltext |

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