Lukas 10, 38-42 Zu Jesu Füssen sitzen

Eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Begebenheit wird hier erzählt. Zunächst einmal ist es für die damalige Zeit ungewöhnlich, dass Jesus hier von einer Frau „aufgenommen“ wird. Dass Jesus bei anderen Männern eingeladen war, das wird öfters erzählt, dass er aber von einer Frau ins Haus aufgenommen wird, ist für die damalige patriarchalische Gesellschaft ungewöhnlich.

Noch aussergewöhnlicher ist, dass mit Maria eine Frau zu Jesu Füssen sitzt. Für uns scheint das nichts besonderes zu sein. Aber dazu muss man wissen, dass „jemand zu Füssen sitzen“ und ihm zuhören damals ein Fachausdruck für ein Lehrer-Schüler-Verhältnis war. Dass ein jüdischer Rabbi eine Frau als Schülerin hatte, war für die meisten damals undenkbar. Für Jesus schon!

Noch ein weiterer Gedanke zu diesem Text: Wahrscheinlich ist es bis heute so, dass es einfacher ist, sich mit viel Aktionismus für die Sache Jesu zu sorgen, als nur zu seinen Füssen zu sitzen und zu hören. Ich denke nicht, dass Jesus es grundsätzlich ablehnt, dass man ihm mit praktischen Dingen dient. Auch das ist nötig. Aber wenn aus dem „viel zu schaffen“ (V.40) haben nur noch „viel Sorge und Mühe“ (V.41) bleibt, dann stimmen die Schwerpunkte nicht mehr. Wichtiger als alles andere ist es, zu Jesu Füssen zu sitzen.

| Bibeltext |

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.