Linux Mint 6 “Felicia” Fluxbox CE

Linux Mint basiert auf Ubuntu und versucht dieses auf sinnvolle Weise zu ergänzen. Sehr gut finde ich, dass Browser-Plugins, Media-Codecs, DVD-Unterstützung und Java gleich mitinstalliert werden. Bei Ubuntu muss man das nachträglich machen. Anstonsten unterscheidet sich Linux Mint v.a. durch ein eigenes Design, verschiedene zusätzliche Konfigurations-Tools, einer zusätzlichen Web-basierten Paketverwaltung und ein eigenes Update-Tool. Von der Software her ist Mint vollkommen kompaktibel zu Ubuntu und hat nur für die eigene Softwarepakete ein zusätzliches Repo.

Ich hab mir die Fluxbox-Edition ein bisschen angeschaut und hier nun ein paar Eindrücke:

Der Linux Mint Desktop nach der Installation
Der Linux Mint Desktop nach der Installation

Die Distribution basiert auf Xubuntu 8.10 ‚Intrepid Ibex‘ mit dem Linux kernel 2.6.27, Fluxbox 1.0.0 und X.Org 7.4. Fluxbox ist ein sehr schlanker und schneller Desktop-Manager, der doch auch sehr elegant wirkt. Ich mag Fluxbox sehr, weil es nicht so viel Recourcen frisst wie z.B. KDE 4. Dafür muss man auf manchen kleinen Komfort verzichten.

Sehr hilfreich bei Linux Mint ist die Ergänzung des Fluxbox-Menus durch Mint-FM2. Mit diesem Tool kann das Menu automatisch aktualisert werden und z.B. auch Icons an- und ausgeschaltet werden. Ohne diese Ergänzung ist das bei Fluxbox ziemlich umständlich.

Wie bei Ubuntu: Nach der Installation kann der Treiber von NVIDIA installiert werden.
Wie bei Ubuntu: Nach der Installation kann der Treiber von NVIDIA installiert werden.

Die Software kann man entweder über Synaptic verwalten oder über den Mint eigenen Software Manager MintInstall.

Software Installation über MintInstall
Software Installation über MintInstall

Auch für Updates gibt es ein eigens Tool. Dabei werden die Software- Pakete, je nachdem aus welchem Repo sie stammen und wie zuverlässig die Software aus diesem Repo gilt, in unterschiedliche Kategorien von sehr stabil bis evtl. risikoreich eingeteilt.

Software Update
Software Update

Vom Design her brüstet Mint sich mit dem Wahlspruch: „From freedom came elegance“. Find ich jetzt etwas übertrieben. So wahnsinnig elegant kommt mir das Design nicht vor. Aber wer gerne mal was anderes hat als das normale Ubuntu Design freut sich vielleich darüber.

Als Dateimanager kommt Thunar zum Einsatz
Als Dateimanager kommt Thunar zum Einsatz

Eine gute Ergänzung finde ich MintConfig, eine Art Kontrollzentrum für alle wichtigen Einstellungen. Hier sind verschiedene grafische Werkzeuge übersichtlich zusammen gefasst. Verwirrend könnte hier allerdings für manche sein, dass es für bestimmte Aufgaben verschiedene Tools gibt (z.B. für die Softwareverwaltung).

MintConfig
MintConfig

Als sehr hilfreich empfand ich auch den zusätzlichen Dialog zur Sitzungsverwaltung. Normalerweise zeigt Fluxbox nur einen Befehl zum auslogen an und man kann den Computer dann erst über den Display Manager herunterfahren. Bei Mint kann man hier unterschiedliche Optionen zum herunterfahren oder Neustart auswählen.

Sitzungsverwaltung
Sitzungsverwaltung

Ein weiteres Schmankerl ist die Integration von xcompmgr. Das ist ein Composite Windows Manager. Damit lassen sich optisch schöne Effekte wie Transparenz und Schatten auch auf Fluxbox erreichen. Für KDE und Gnome gibt es ja Compiz (oder bei KDE 4 sind eigene Composite Effekte integriert). Compiz funktioniert bei Fluxbox leider prinzipiell nicht. Bei Mint kann man per Knopfdruck xcompmgr ein- oder ausschalten. Allerdings erweist sich das als ziemlicher Resourcenfresser. Mit glxgears gemessen reduzieren sich die Frames per Second (also Bildwiederholrate) bei mir von ca. 2600 auf 800-900. Auf demselben PC ist da Compiz mit KDE oder Gnome sehr viel besser.

glxgears mit und ohne Composite
glxgears mit und ohne Composite

Fazit

Sehr gute Distribution. Mit Ubuntu hat Linux Mint eine solide Grundlage, die auf hilfreiche Weise ergänzt wird. Gegenüber Ubuntu wird so manches erleichtert.

Ein Nachteil ist dafür, dass Mint grundsätzlich immer den Ubuntu-Releases hinterherhinkt. Es dauert bei Mint immer etwas länger bis man auf das jeweils aktuelle Ubuntu umstellen kann. Besonders auffällig ist das bei Fluxbox Edition, die als Community Edition erstellt wird. Die aktuelle Version ist Anfang April erschienen und basiert auf Ubuntu 8.10. In Kürze erscheint aber schon der Nachfolger Ubuntu 9.04. Bis es davon eine Mint Version gibt, wird es noch dauern.

Schade fand ich auch dass trotz des leichtgewichtigen Desktop Managers Fluxbox der Speicherverbrauch und die Bootzeit nicht deutlich besser ist, als bei einem normalen Ubuntu.

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