Lew Tolstoi: Krieg und Frieden

Tolstoi: Krieg und FriedenWas für ein monumentales Werk! Das Buch ist wie ein riesiger Berg: Auf dem Weg zum Gipfel kann man sich leicht verlaufen, man kann die Lust verlieren, man kann müde werden, man fragt sich, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Berg zu erklimmen,… und ich muss zugeben auch ich hab mich durch das Buch durchkämpfen müssen. Aber ich bin froh, dass ich es getan habe. Es ist gut, am Ende auf dem Gipfel zu stehen und die Aussicht zu genießen.

Der Roman ist über 1500 Seiten lang. Hunderte von Personen tauchen darin auf. Verschiedene Einzelschicksale werden auf kunstvolle Weise miteinander verflochten, es werden geschichtsphilosophische Überlegungen ausgebreitet, gigantische Schlachten möglichst historiengetreu nacherzählt, es wird geliebt, gelitten und gestorben. Tolstoi breitet einen ganzen Kosmos vor dem Leser aus.

In wenigen Worten zusammenfassen kann man diese Fülle gar nicht. Der grobe Rahmen ist dieser: Auf dem Hintergrund der Napoleonkriege gegen Russland werden die Geschichten von einigen russischen Adelsfamilien erzählt. Tolstoi beschreibt auf der einen Seite die oft gekünstelte Salonwelt der Reichen und Mächtigen und auf der anderen Seite die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges.

Tolstoi ist ein ausführlicher, oft sogar umständlicher Erzähler. Er ist detailverliebt und verliert doch nie das große Ganze aus dem Blick. Aber wenn man sich auf ihn einlässt, dann wird man mit hinein gezogen in den Kosmos seines Romans. Man liebt, leidet, stirbt und hofft mit den Personen. Auch wenn der Roman sicherlich nicht jedermanns Sache ist, er ist zu Recht ein Klassiker der Weltliteratur.

Beim Kauf des Buches sollte man darauf achten, dass die unterschiedlichen Ausgaben und auch die unterschiedlichen Übersetzungen sich stark voneinander unterscheiden. Manche Ausgaben sind stark gekürzt und manche Übersetzungen übersetzen die vielen französischen Passagen des Buches ungekenneichnet mit ins Deutsche (so dass man als Leser nicht mehr erkennen kann, welche bei Tolstoi im Original auf russisch und welche auf französisch – der damaligen Modesprache der Reichen und Adligen – geschrieben wurde). Die neue Übersetzung von Barbara Conrad soll sehr gut sein und nahe am ursprünglichen Text. Die freie Kindle-Ausgabe von Amazon soll dagegen schlecht übersetzt und extrem gekürzt sein.

(Amazon-Link zur Übersetzung von B.Conrad: Tolstoi: Krieg und Frieden)

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