(K)Ubuntu 9.04 – Jaunty Jackalope

Am 23. April ist die neue Version der Linux Distribution Ubuntu erschienen. Wie üblich gibt es neben der Standard-Edition Ubuntu mit Gnome als Desktop-Manager auch andere Versionen: Kubuntu mit KDE oder Xubuntu mit XFCE. Ich hab mir Ubuntu und Kubuntu angesehen und getestet.

Der Ubuntu Desktop nach der Installation
Der Ubuntu Desktop nach der Installation

„Test“ heißt bei mir: Installation auf meinem Arbeitscomputer und mehrtägiger Gebrauch für meine ganz normalen Anforderungen. Ich kann also keinen ausführlichen und professionellen Testbericht geben, sondern nur von meinen praktischen Erfahrungen mit (K)Ubuntu berichten. Wichtig für mich sind: Zuerst einmal natürlich, dass meine Hardware unterstützt wird (Multimedia-Tastatur, Intel Soundkarte, NVIDIA Grafikkarte, Samsung Monitor mit Auflösung von 1650×1050, HP-Laserjet), dann brauch ich: Openoffice, Firefox (mit funktionierendem Flash-Player – viele Webseiten laufen ohne Flash heutzutage ja gar nicht mehr oder nur begrenzt), wine (für einige wichtige Windows-Programme, wie z.B. bworks), mp3-Wiedergabe, digikam (meines Erachtens die beste Fotoverwaltung für Linux), Java-Unterstützung, Google-Gadgets (für einen schönen Desktop) und Google-Desktop (indiziert den Inhalt von Dateien auf dem Computer, um sie schnell wieder zu finden).

Kubuntu Desktop nach der Installation
Kubuntu Desktop nach der Installation

Installation und Hardware

Die Installation lief problemlos und schnell. Der Monitor wurde mit richtiger Auflösung erkannt und für die NVIDIA Grafikkarte kann man nach dem ersten Start einfach einen Treiber von NVIDIA nachinstallieren. Beim ersten Versuch eine mp3-Datei abzuspielen wird man darauf hingewiesen, dass man das dafür notwendige Plugin suchen und herunterladen kann.

Als Boot-Manager wird Grub verwendet. Sowohl Windows XP als auch meine zwei anderen installierten Linux-Systeme Debian Lenny und Arch-Linux wurden problemlos erkannt und eingebunden. Sehr schön: Ein Großteil meiner extra Multimedia Tasten wurden erkannt und auch gleich richtig belegt (z.B. die Lautstärke Tasten).

Ärgerlich: Das Sound-System Pulse-Audio (das seit Ubuntu 8.10 Standard ist) funktioniert – zumindest bei mir – noch immer nicht reibungslos. Meistens funktioniert der Sound, aber manchmal auch nicht – teilweise blieb der Sound im Zusammenhang mit Flash-Filmen stumm, teilweise aber auch bei anderen Programmen. Seltsam war bei mir auch, dass bei Kubuntu der Computer manchmal beim Herunterfahren hängenbleibt (bei Ubuntu nicht).

Neuerungen

Was ist neu gegenüber den Vorgängerversionen? So wahnsinnig viel nicht (was bei dem relativ schnellen Release-Zyklus von 6 Monaten auch nicht weiter verwunderlich sein sollte). Natürlich wurden Kernel und andere Softwarepakete aktualisiert.

Daneben waren für mich am auffälligsten die Beschleunigung der Boot-Zeit und das neue einheitliche Design für Systemmeldungen. Der Systemboot wurde wirklich merklich beschleunigt – sehr gut! (wobei mein Debian Lenny und auch mein Arch-Linux immer noch etwas schneller sind…). Die schnellere Startzeit wurde nicht durch ein neues Startsystem erreicht, sondern durch verschiedene Optimierungen. Auch das neue Filesystem EXT4 trägt dazu bei. Es ist noch nicht als Standard ausgewählt, kann aber bei der Installation angewählt werden.

Design

Bei Ubuntu: Darüber kann man sich wie immer streiten: Mir gefallen die Brauntöne von Ubuntu – das ist mal was anderes als die üblichen Blau-Töne. Das neue Standad-Wallpaper sagt mir nicht so zu – da fand ich das von Ubuntu 8.10 insteressanter und schöner. Wenn es die Grafikpower erlaubt, werden automatisch auch dezente Compiz-Effekte aktiviert. Ich finde diese Konfiguration sehr gelungen, nicht so auffällig wie die normale Vorgabe bei Compiz und es braucht auch etwas weniger Grafik-Leistung. Neu bei Ubuntu sind zwei Themes: Dust und Dust Sand. Gefallen mir – vor allem das dunklere Dust Sand.

Bei Kubuntu: Das Kubuntu spezifische Design finde ich nicht besonders ausgewöhnlich. Aber das ist auch nicht so schlimm: Den Kubuntu läuft mit KDE 4.2.2 und das ist Designmäßig einfach top. Natürlich hat KDE 4 noch viele Schwächen und es wurde erst ab 4.2 einigermaßen alltagstauglich. Aber vom Design her sieht es einfach moderner und schicker aus als Gnome. Auch das Angebot an Themes und Desktop-Gadgets (Plasmoids) nimmt zu.

Bei Kubuntu kommt als Standard kein Compiz zum Einsatz sondern die KDE eigenen Effekte. Ich finde allerdings Compiz ausgereifter und flüssiger. Wenn ich die Grafikleistung mit glxgears vergleiche, dann schafft mein PC mit Compiz eine bessere Rate als mit den Composite-Effekten von KDE.

Leistung und Zuverlässigkeit

Nicht nur der Boot-Prozess wurde beschleunigt, auch das allgemeine Arbeitstempo ist merklich verbessert. Was mich allerdings an (K)Ubuntu grundsätzlich stört, ist der von Anfang an hohe Speicherverbrauch. Um möglichst alles abzudecken und um manchen unnötigen Schnick-Schnack anzubieten werden viele Dienste und kleine Programme standardmäßig aktiviert und gestartet.

Mir ist da Debian sympathischer: Da gibt es nur ein minimales Grundsystem und dann kann man selbst entscheiden, was man wirklich braucht und was nicht. Das ist natürlich aufwändiger und nicht so bequem, aber mein PC läuft dadurch mit Debian flüssiger.

Überhaupt macht für mich insgesamt Ubuntu einen nicht ganz ausgereiften Eindruck. Es sind einfach einige „Kleinigkeiten“, die nicht so reibungslos funktionieren wie ich das eigentlich von solch einer großen und professionellen Distribution erwarte. Ein Beispiel: Beim Package Manager in Kubuntu konnte ich kein Java-Runtime-Envirement installieren. Denn dazu muss man die Lizenzbedinungen akzeptieren und die konnten von dem grafischen Tool unter Kubuntu nicht angezeigt werden (Über apt-get auf der Konsole hat es dann funktioniert).

Ubuntu oder Kubuntu?

Ich selbst komme mehr aus dem KDE-Lager. Lange Zeit habe ich KDE 3.5 verwendet und mich sehr daran gewöhnt. Bei KDE 4 habe ich ein etwas gespaltenes Herz: Grundsätzlich finde ich den Neuanfang sehr mutig und auch gut und richtig. Und wie oben schon erwähnt ist das Design klasse. Allerdings frisst KDE4 erheblich mehr Resourcen als KDE 3.5 oder Gnome. Auf meinem 4,5 Jahre alten PC würde ich mich eher für Ubuntu entscheiden. Außerdem merkt man, dass Ubuntu nach wie vor das Premium-Produkt ist, in das mehr investiert wird als in die anderen *buntu- Distris.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass es für Gnome keine solch gute Fotoverwaltung gibt, wie digikam für KDE. Natürlich kann man auch digikam in Ubuntu installieren, aber es braucht dann eben viele KDE-Liberies und pumpt dadurch den Speicher kräftig auf. Noch eine Anmerkung zu digikam: Das lief bei mir zuerst nicht richtig: Meine Alben und Bilder wurden einfach nicht erkannt und angezeigt (sowohl bei Ubuntu als auch bei Kubuntu). Hab schließlich festgestellt, dass das ein Rechte-Problem war: Meine Bilder liegen auf einer fat-32 Partition. (K)Ubuntu hat diese Partition aber nur mit eingeschränkten Rechten eingebunden und dadurch konnte digikam nicht darauf zugreifen. Nach einer Änderung in der fstab (umask=007 zu umask=0) lief es dann…

Fazit

Keine Frage: (K)Ubuntu ist eine sehr gute Distribution. Nicht umsonst steht es seit Jahren ganz oben bei Distrowatch. Es ist auch gut für Einsteiger geeignet. Aber so richtig hundertprozentig überzeugen kann es mich nicht. Wer wirklich eine zuverlässige, schnelle und ausgreifte Distribution sucht, ist z.B. mit Debian Lenny besser dran. Das ist zwar von der Software her nicht so aktuell und es sind manche bequeme Features nicht als Standard installiert, aber es ist nach meiner Erfahrung einfach etwas solider.

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3 Gedanken zu „(K)Ubuntu 9.04 – Jaunty Jackalope“

  1. Hallo – ein wirklich schöner Testbericht! Danke. Ich verwende Ubuntu seit Version 07/10 und es ist seit langem wieder mal ein Linux gewesen, bei dem ich geblieben bin (bei Suse bin ich immer nach einiger Zeit wieder zu Win gewechselt). Ich habe auch viele andere Distri’s ausprobiert und getestet. Produktiv bin ich jedoch bei Ubuntu geblieben.

    Habe gestern auf mein Netbook das neue Ubuntu Netbook Remix installiert und bin begeistert. Klasse. Einfach zu installieren und wie sich das System an den kleineren Bildschirm anpasst – genial (kann man auch auf einem normalen System installieren – ist dann aber Geschmackssache).

    Ich selbst bevorzuge Gnome als Windowmanager. Ich mag dessen Schlichtheit. Wenn mir jedoch ein KDE-Programm zusagt, dann installiere ich mir das einfach. Die laufen auch unter Gnome (auch wenn der Speicherbedarf höher wird) – gerade das ist es, was mir so an Linux gefällt. Flexibilität. Und wenn ich mal nach einem Programm bedarf habe – einfach mal Synaptic geöffnet, suchen, anklicken, installieren – fertig. Hach ich liebe es 🙂

    Ich bin jedenfalls gespannt, wie das bei Dir so weitergeht mit Ubuntu 🙂

    1. Naja, ich bin ehrlich gesagt so ein richtiger „Distri-Hopper“. Ich probiere alles mögliche aus und benutze es eine Weile. Hab dafür verschiedene Partionionen auf meinem Computer, so dass ich mehrer Linuxe parallel installieren kann. Die zwei Distributionen die bei mir z.Z. am längsten drauf sind, sind Arch-Linux und Debian-Lenny. Statt ubuntu hab ich jetzt auf einer weiteren Partition gerade Linux Mint zum ausprobieren drauf…
      Die Flexibilität bei Linux finde ich auch super. Und auch die Software-Verwaltung ist bei den meisten Distris viel einfacher und übersichtlicher als bei Windows.

  2. So hat einfach jeder seine Vorlieben – und ich finde das ist einer der größten Vorteile von Linux: man ist nicht gebunden ein festes BS, nein man kann sich das raussuchen, das einem am besten gefällt.

    Ich bin ehrlicherweise etwas bequem und unter Ubuntu funzt einfach alles (z.B. mein Brother MFC240 Multifunktionsgerät einfach durch die Installation eines Paketes).

    Aber am meisten begeistert mich bei Linux einfach der Open Source Gedanke. Man hat bedarf nach einem Programm (Editor, Mailprogramm, Spiel ähnliches) und sucht einfach in Synaptic danach. Wenn man sich für was entschieden hat, wird es einfach installiert und in den Menü’s eingefügt. Klasse. Ich liebe das!

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