Kohelet 8, 1-17 Radikaler Realismus

Kohelet ist radikal nüchtern und realistisch. Er schaut sich auf der Welt um und sieht: „Es gibt Gerechte, denen geht es, als hätten sie Werke der Gottlosen getan, und es gibt Gottlose, denen geht es, als hätten sie Werke der Gerechten getan.“ (V.14) Das ist selbst einem nüchtern Menschen wie mir zu extrem. Natürlich hat er recht: Das sehen wir ja bis heute, dass es den Gottlosen oft besser geht als den Gläubigen.

Aber: Ist das die Regel, dass es den Gottlosen besser geht? Und was heißt das überhaupt, dass es dem Gerechten gut gehen soll? Schaut der Prediger da nicht etwas zu einseitig auf irdisches Ansehen, Reichtum und Gesundheit? Ich habe keine großen irdischen Reichtümer und es ist auch nicht so dass ich körperlich völlig gesund und ohne Probleme bin. Aber trotzdem erlebe ich mich von Gott gesegnet, gerade auch in Zeiten der Krankheit. Ich weiß nicht, ob ich als Nichtchrist so gelassen mit meinem Gehirntumor umgehen hätte können. Ich darf Gemeinschaftserfahrungen machen, die ich als Nichtchrist niemals in ähnlicher Weise hätte machen können. Ich habe eine Ahnung von Gottes Liebe und Herrlichkeit in meinem Herzen, die ich gegen kein Geld der Welt umtauschen möchte.

Ja, rein äußerlich betrachtet, geht es den Gottlosen oft besser als vielen Christen. Und es gibt genügend Christen, die leiden und am Leben verzweifeln. Aber ich erlebe bei mir selbst und bei anderen, dass sich Christen auch in Schmerzen, Leid und Problemen von Gott reich beschenkt wissen. Gott gibt mir Halt, auch wenn es mir mal nicht so gut geht – auch das ist radikaler Realismus.

| Bibeltext |

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