Kohelet 7, 15-29 Die Weisheit mit Löffeln gefressen

Die traditionelle Weisheit sagt: Lebe gerecht und du wirst dafür gesegnet werden. In der Theologie wird das als Tun-Ergehen-Zusammenhang bezeichnet. Wer Gutes tut, dem wird auch Gutes widerfahren. Kohelet rät aber zur Vorsicht mit dieser simplen Aussage. Er macht die Augen auf und sieht: „Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit.“ (V.15) Seine Folgerung: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht sterbest vor deiner Zeit.“ (V. 16f)

Damit meint er nicht, dass wir nur noch einen halbherzigen Glauben haben sollten und nicht mit ganzer Seele Gott und seine Gerechtigkeit suchen sollen. Aber er rät zur Vorsicht gegenüber platten, theologischen Verallgemeinerungen. Er warnt davor, sich zu sehr auf seine Gerechtigkeit und Weisheit zu verlassen. Es gibt ja bis heute Leute, die meinen, die biblische Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und die anderen ganz genau sagen können, was sie glauben und tun sollen, um ein siegreiches und erfolgreiches Leben als Christ zu führen…

Kohelet sagt: Vorsicht! Bilde dir nicht zu viel auf deine Gerechtigkeit und Weisheit ein. Es ist immer noch Gott, der den Segen dem schenkt, dem er will. Du kannst ihn dir nicht erarbeiten. Und du kannst die Weisheit Gottes in ihrer Tiefe nie völlig ergründen. Darum bleibt das Wesentliche: „Wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.“ (V.18) Zentral bleibt die Gottesfurcht. Fürchte Gott, mit Liebe und Respekt, dann brauchst du nicht auf deine Gerechtigkeit und Weisheit zu schauen.

| Bibeltext |

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.