Kohelet 7, 1-14 Einerseits und Andererseits

Es ist gar nicht so einfach den Prediger richtig zu verstehen. Er setzt sich immer wieder mit traditioneller Weisheit auseinander, d.h. er zitiert bekannte Sprüche oder gibt sie in abgewandelter Form wieder. Dann nimmt er oft auch kritisch dazu Stellung. Schwierig ist nun: Was ist Zitat und was ist seine eigene Meinung? Damals gab es keine Satzzeichen, man konnte nicht so einfach und deutlich markieren, was Zitat ist und was eigene Meinung. Das macht das Lesen und Verstehen schwierig.

Ein Beispiel aus diesem Textabschnitt: in V.11-12 sagt Kohelet, dass Weisheit Leben erhält und beschirmt. Dann kommt aber in den V.13-14 die Kritik und Einschränkung an dieser optimistischen Sicht der Weisheit: Wer kann das gerade machen, das Gott krümmt? Gott hat nicht nur die guten Tage geschaffen, sondern auch die bösen Tage kommen von Gott. Auch Weisheit kann an diesen bösen Tagen nichts ändern. Kohelet schließt sich hier durchaus einer traditionellen Weisheitsaussage an, aber er macht auch die Beobachtung, dass das nicht immer automatisch stimmt. Auch das Leben des Weisen wird nicht immer nur erhalten und beschirmt, auch er muss die Erfahrung von bösen Tagen machen.

Manche nervt vielleicht dieses Ja-Aber. Manche hätten lieber klare Aussagen, die unter allen Umständen gelten und nicht dieses ewige Einerseits-Andererseits. Aber ich finde es dem Leben angemessen. Unsere menschliche Weisheit ist immer Stückwerk, auch wenn sie auf biblischer Wahrheit basiert. Absolut ist alleine Gott, unsere Weisheit ist immer bruchstückhaft. Wirklich weise ist, wer dies erkennt und seine Einsichten und Lebensweisheiten dementsprechend demütig und vorsichtig formuliert.

| Bibeltext |

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.