Kohelet 4, 1-3 Zu Tode betrübt

Wieder mal unglaublich, welch dunkle und pessimistische Töne der Prediger hier anschlägt. Sind das nur die übertriebenen, schwarzmalerischen Gedanken eines deprimierten Gläubigen? Oder ist das eine nüchterne und wahre Analyse unserer Welt? Der Prediger sagt: Wenn man das Böse auf der Welt sieht, dann wäre es eigentlich besser, man wäre nie geboren worden. Angesichts des Unrechts auf unserer Welt sei es besser, tot zu sein als zu leben. Kein Aufbegehren, keine Klage, kein Ankämpfen gegen das Unrecht… Nur Resignation und Todessehnsucht.

Der biblische Glaube ist mutig und ehrlich, auch in seinem Zweifeln und Fragen. Auch solche Worte und Gedanken dürfen ihren Raum haben. Es sind nicht die einzigen Aussagen der Bibel zu Unrecht und zu den Tränen der Unterdrückten. Aber sie spiegeln eben doch auch einen Teil unseres Glaubens wider. Ich bin froh, dass in der Bibel nicht nur „himmelhoch jauchzend“, sondern auch „zu Tode betrübt“ vorkommt. Denn zwischen diesen Extremen spielt sich auch mein Leben als Christ ab.

| Bibeltext |

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