Kohelet 3, 16-24 Diesseitiger Glaube

Das Alte Testament kennt in weiten Teilen keine Auferstehungshoffnung. Was zählt ist das irdische Leben und Gottes Wirken im Hier und Jetzt. Das wird auch an diesem Text deutlich. Das macht ja auch etwas von dem etwas pessimistischen Grundcharakter des Kohelet aus: Dem Menschen geht es nicht besser wie dem Vieh – irgendwann sterben alle. „Es ist alles aus Staub geworden und wird wieder zu Staub.“ (V.20) Natürlich kennt Kohelet die griechische Lehre vom unsterblichen Seelenfunken des Menschen, der nach dem irdischen Tod auffährt in die göttliche Welt. Aber dazu äußert er sich skeptisch: „Wer weiß, ob der Odem der Menschen aufwärts fahre und der Odem des Viehes hinab unter die Erde fahre?“ (V.21) Nichts genaues weiß man nicht…

Der alttestamentliche Glaube ist dadurch sehr viel diesseitiger ausgerichtet. Es wird mehr nach Gottes Gerechtigkeit und seinem Wirken auf dieser Welt gefragt. Und Kohelet kommt zu dem logischen Schluss, dass es nichts besseres gibt, als dass man es sich auf dieser irdischen Welt gut gehen lässt.

Ich bin froh, dass wir das Neue Testament haben, dass wir Hoffnung über den Tod hinaus haben, dass das Irdische nicht das Letzte ist. Aber wir dürfen auch nicht nur auf die Jenseitshoffnung blicken (nach dem Motto: „Irgendwann wird Gott schon all den Mist in Ordnung bringen“). Gott wirkt nicht nur nach dem Tod, sondern auch jetzt schon. Es ist seine Welt, die er geschaffen hat und in der er wirksam ist. Als Korrektiv tut uns diese alttestamentliche Fixierung auf das Irdische ganz gut.

| Bibeltext |

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Ein Gedanke zu „Kohelet 3, 16-24 Diesseitiger Glaube“

  1. Der Mensch zur Zeit Kohelet und erst recht der heutige Mensch erfährt sein Leben nicht mehr als „sehr gut“ – aber doch als „schön“. Trotz dem Bewusstsein der Kürze und der Begrenztheit meines Lebens und der Schnelllebigkeit unserer Zeit weiss ich doch, dass mein Tun in dieser Zeit Anteil an diesem Ganzen Gottes erhält. Also das beste aus seinem Leben machen, das schliesst auch das Sich-gut-gehen-lassen und das Geniessen mit ein. Aber auf jeden Fall auch die Solidarität und die Verantwortung für die Mitmenschen im Blick behalten und dafür arbeiten!

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