Kohelet 12, 9-14 Zu provozierend und skeptisch?

In diesem Abschnitt wird deutlich, dass das Buch (zumindest in der Form in der wir es vorliegen haben) von einem Schüler des Predigers herausgegeben wurde (es wird hier in der dritten Person über den Prediger beschrieben). In der Auslegungsgeschichte gab es unzählige Meinungen, wer denn jetzt der „Prediger“ war und wann dieser Schüler das Buch geschrieben hat. Das ist meiner Meinung nach für das Verständnis nicht von zentraler Bedeutung. Das Buch Kohelet beruft sich auf jeden Fall auf die Autorität des Salomo – egal zu welcher Zeit es geschrieben wurde und wer der Schüler war.

Interessant finde ich allerdings die Zusammenfassung, die der Schüler von der Weisheit Kohelet gibt. Wenn ich selbst den Inhalt zusammenfassen sollte, dann würde ich sagen: Alles ist vergänglich, alles ist ein Haschen nach Wind – darum genieße dein Leben so gut es geht! Der Herausgeber sagt dagegen: „Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.“ (V.13) Offensichtlich hatte da jemand etwas kalte Füße bekommen bei den pointierten und provozierenden Aussagen des Prediger. Denn mit dieser Zusammenfassung möchte der Schüler das Buch ein bisschen in Richtung traditioneller theologischer Aussagen der Bibel rücken und von den harten Spitzen des Predigers ablenken.

Im Judentum war es lange Zeit umstritten, ob das Buch überhaupt in die Bibel mit aufgenommen werden sollten. Für viele waren die Aussagen Kohelets zu extrem und zu skeptisch. Letztendlich wurde es doch aufgenommen (wahrscheinlich auch weil man davon ausging, dass Salomo als Autorität dahinter stand). Das ist gut so! Es ist gut, dass in der Bibel auch unterschiedliche Meinungen nebeneinander stehen bleiben können. Es ist gut, dass sich in der Bibel die Vielfalt des Lebens spiegelt. Es ist gut, dass in der Bibel auch kritische und skeptische Stimmen zu Wort kommen dürfen.

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