Kohelet 11, 9 – 12, 8 Gezähmter Hedonismus

Da staunt man nicht schlecht, dass man in der Bibel solch hedonistische Formulierungen findet (Hedonismus bezeichnet eine Lebenseinstellung bei der die eigene Lust, das Vergnügen als höchster Wert angesehen wird; kurz gesagt: gut ist, was Spaß macht): „So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen. Tu, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt.“ (V.9) Genieße dein Leben solange es geht, lass es dir gut gehen und tu das, worauf du Bock hast.

Ganz schön unerwartet, oder?! Natürlich wird das Ganze auch gleich wieder eingeschränkt: „Aber wisse, dass dich Gott um das alles vor Gericht ziehen wird.“ (V.9) Wenn du nach dem Lustprinzip lebst, dann vergiss dabei nicht, dass du all dein Handeln auch vor Gott verantworten musst! Trotzdem: damit wird die Aufforderung nach einem lustvollen Leben nicht aufgehoben, sondern nur gebändigt und ins richtige Verhältnis gesetzt.

Mir gefällt diese Zusammenstellung eigentlich ganz gut: Auf der einen Seite die ganz einfache und auch egoistische Freude am Leben, an dem was uns Gott in der Schöpfung zur Verfügung stellt, an dem was uns Spaß macht. Und auf der anderen Seite immer wieder auch die kritische Rückfrage, ob mein Handeln auch auf Dauer für mich und andere verantwortungsvoll ist. Beide Seiten sind wichtig. Die Welt fällt meist auf der hedonistischen Seite vom Pferd, wir Christen manchmal eher auf der „lustlosen“ und „lebensängstlichen“ Seite.

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