Kohelet 10, 1-20 Tote Fliegen

In diesem Kapitel wird deutlich, dass der Prediger nicht die Weisheit an sich als schlecht oder vergeblich einschätzt, sondern er nur realistisch beobachtet, dass die Weisheit in der irdischen Welt oft nicht zur Geltung kommt. Trotz aller Kritik an traditionellen Weisheitslehren der Bibel hält Kohelet daran fest: „Weisheit bringt Vorteil und Gewinn.“ (V.10) Vgl. auch: „Die Worte aus dem Mund des Weisen bringen ihm Gunst; aber des Toren Lippen verschlingen ihn selber.“ (V.12)

Entgegen der Skepsis der vorherigen Kapitel wird hier der Nutzen der Weisheit betont. Aber auch in diesem Kapitel behält Kohelet seine nüchterne Einschätzung: „Tote Fliegen verderben gute Salben. Ein wenig Torheit wiegt schwerer als Weisheit und Ehre.“ (V.1) Es ist also auf jeden Fall erstrebenswert weise zu sein (damit ist eine biblische Lebensweisheit gemeint, die sich an Gott ausrichtet und nicht eine weltliche Schlauheit und Gerissenheit). Die Weisheit ist wie eine gute, wohlriechende Salbe. Aber schon ein wenig Torheit kann diese Weisheit verderben. So wie damals eine einzige tote Fliege ein Parfüm zum Gären und damit zum Stinken gebracht hat.

Ähnliches können wir ja auch heute noch beobachten: Z.B. wenn ein harmonisches, liebevolles und gesegnetes Miteinander in einer Gemeinde durch einen einzigen Menschen, oder auch nur durch einen einzigen unbedachten Satz aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Eine funktionierende Gemeinde ist etwas wundervolles, wie ein wohlriechendes Parfüm. Sie zieht Menschen an und lässt sie sich wohl fühlen. Aber manchmal fehlt nicht viel, nur eine Priese Neid oder Geschwätzigkeit, und der ganze Wohlgeruch kann sich in Gestank verwandeln. Darum: Hütet euch vor toten Fliegen!

| Bibeltext |

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