Klaus Douglass u. Fabian Vogt: Expedition zum Ich

Ich bin richtig begeistert von diesem Buch. In den letzten 40 Tagen hab ich jeweils ein Kapitel durchgelesen und viele gute Impulse erhalten. Als ich zum ersten mal von dem Buch gehört habe, war ich ehrlich gesagt eher skeptisch. Der Titel sagte mir gar nicht zu: „Expedition zum Ich“. Das klang mir zu reißerisch. Das klang für mich so, als ob man sich mit der biblischen Botschaft auf billige Weise an moderne Selbstfindungs-Süchtige anbiedert.

Aber ich hab mich eines besseren belehren lassen: Das Buch ist grundsolide und biedert sich nicht irgendwem an – weder dem (post)modernem Denken, noch evangelikaler Radikaltheologie, noch emergenter Unbestimmtheit und Vielschichtigkeit. Klaus Douglass hat als evangelischer Pfarrer einen klaren lutherischen Standpunkt, von dem aus er sehr scharf denkend und formulierend an die Bibeltexte herangeht, ohne dabei in liberale Gleichgültigkeit abzugleiten. Trotz Tiefgang und manchmal auch theologisch anspruchsvollen Gedanken schreibt er gut verständlich und bringt sehr oft eindrückliche Bilder und Vergleiche.

Der Untertitel des Buches trifft den Inhalt sehr viel besser: In vierzig Tagen durch die Bibel. Das ist das Anliegen des Buches: Dass man in 40 Tagen einen Überblick und eine Einführung in 40 wichtige und zentrale Texte der Bibel bekommt. Jedes Kapitel enthält einen Bibeltext in der Lutherübersetzung und in einer Neuübertragung von Fabian Vogt. Dann folgen grundsätzliche Gedanken von Klaus Douglass, die meist weniger eine direkte Auslegung des Textes sind, sondern eine biblische Einführung in die theologischen Gedanken und Zusammenhänge, die in dem jeweiligen Bibeltext angesprochen werden. Schließlich folgt jeweils eine Seite zum Weiterdenken und Weiterarbeiten: Zitate zum Thema, Einstiegsfragen für ein Gruppengespräch, Vorschläge für eine persönliche Beschäftigung mit dem Text und schließlich jeweils ein zentraler Bibelvers zum Thema. Zu jedem Kapitel gibt es auch den Versuch, einen kreativen Zugang zum Text zu ermöglichen: Sei es durch ein Cartoon, ein Lied auf der mitgelieferten CD, ein Gedicht, oder ähnliches.

Ich muss zugeben, dass mir die Lieder überhaupt nicht gefallen haben. Sie klingen in meinen Ohren zu „klinisch“, zu glatt – da fehlt das Herzblut. Ich hätte gern auf die CD verzichtet und dafür etwas weniger bezahlt… Auch die Anregungen zum persönlichen Gebet waren nicht so mein Ding. Aber die Neuübertragung von Vogt und die Erklärungen von Douglass fand ich einfach klasse. Douglass schafft es auch bei diesen sehr bekannten Bibeltexten immer wieder, neue und überraschende Facetten zu entdecken. Er nimmt immer wieder einen ungewöhnlichen Standpunkt ein und wirft so ein neues Licht auf diese Texte.

Das Buch ist als 40-Tage Aktion gestaltet. Es gibt Zusatzmaterial so dass man in Gemeinden sich 40 Tage intensiv mit dem Buch beschäftigen kann. Wir haben uns einmal in der Woche getroffen und ausgetauscht. Außerdem hab ich einige Themen in den Predigten der letzten Wochen aufgenommen. Es hat sich gezeigt, dass dieses intensive Lesen nicht jedermanns Sache ist. Es steckt einfach so viel Gutes drin, dass es schwer ist, das alles aufzunehmen und zu verarbeiten. Wenn jemand einen stressigen Alltag hat und nicht viel Zeit zum Lesen, dann ist das eine ganz schöne Herausforderung. Aber ich finde es lohnt sich – auch wenn man nur ein Bruchteil der guten Gedanken wirklich festhalten kann.

(Weitere persönlichen Eindrücke und Gedanken zu den einzelnen Kapiteln sind in der Blog-Serie zum Buch nachzulesen>>>).

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