Kinnaman/Lyons: unChristian (Teil 8) – Schlussbemerkungen

Zum Abschluss dieser Reihe über das Buch „unchristian“ von Kinnaman und Lyons jetzt noch eine Zusammenfassung der Schlussbemerkungen von Kinnaman und dem Nachwort von Lyons. (Die Seitenangaben bei Zitaten beziehen sich jeweils auf die englische Originalausgabe. Die Zitate sind keine offizielle deutsche Übersetzung, sondern wurden von mir übersetzt.)

Auch wenn es uns nicht gefällt, aber es ist so: Das Christentum wird zunehmend kritisch betrachtet. Wie sollen wir darauf reagieren. Kinnaman fasst es scheinbar lapidar zusammen: „Nachfolger Christi müssen lernen auf Leute so zu reagieren, wie Jesus es tat.“ (S. 206) Nach dem Motto: Was würde Jesus tun? Dazu gibt er dann noch ein paar konkretere Hinweise:

  • Mit der richtigen Perspektive auf Kritik reagieren: Zunächst einmal ist es ganz normal, dass die Botschaft vom Kreuz nicht vestanden wird und dass wir deswegen auf Kritik stoßen. Deswegen sollten wir unpopuläre biblische Botschaften nicht einfach unter den Tisch kehren. Darüber hinaus kann man bei Streitgesprächen Jesu beobachten, dass Jesus sich nicht von der Kritik bestimmen ließ; er reagierte nicht nur, sondern er lenkte Gespräche aktiv auf Themen, die ihm wichtig waren. Zum dritten konnte Jesus sehr genau die Motive hinter der Kritik einschätzen. Kommt die Kritik aus feindlicher Absicht, oder weil sich ein Mensch verletzt fühlte? Wenn wir nur defensiv und ärgerlich reagieren verpassen wir viel zu oft die Möglichkeit zur eigenen spirituellen Veränderung.
  • Beziehungen und Freundschaften pflegen: Jesus beeinflusste seine Jünger vor allem durch Beziehungen und Freundschaft. Er hat ihnen kein Handbuch für den richtigen Glauben mitgegeben, sondern er hat ganz einfach Leben mit ihnen geteilt. Dazu gehört auch, dass wir einander lieben. Genau das hat Jesus über seine Nachfolger gesagt: An ihrer Liebe zueinander wird man sie erkennen.
  • Kreativ sein: Jesus war ein Meister der kreativen Kommunikation. Er verstand es die unterschiedlichsten Menschen auf immer neue Weise anzusprechen und zu faszinieren. Gerade junge Menschen unserer heutige Zeit sehen sich nach kreativen Übersetzungen und Verdeutlichungen der scheinbar altbekannten Botschaft.
  • Anderen Menschen dienen: Wir brauchen das, was Jesus selbst hatte: tiefgehendes Interesse und Verständnis für Außenstehende. Das heißt nicht, dass wir perfekt sein müssen – das ist keiner. Aber auf praktischer Ebene heißt das vor allem anderen, dass wir lernen müssen anderen zuzuhören. Für das alles gibt es keine magische Formel, sondern es ist harte, geistliche Arbeit.

Wenn wir Andere erreichen wollen, dann müssen wir unsere eigene selbst-zentrierte und abgenutzte Spiritualität überprüfen und lernen, echte Liebe und Interesse für Andere zu zeigen.

In ähnlicher Weise betont Lyons in seinem Nachwort, dass viele moderne Christen den Kontakt zu dem allumfassenden Evangelium verloren haben, welches weiter reicht, als bis zur persönlichen Errettung. Es geht nicht nur um die Bekehrung, sondern es geht um ganzheitliche Nachfolge. Zum Kern des christlichen Lebens gehört für ihn, dass das wahrhaftigste Erkennen im Tun geschieht.

Zum Schluss des Buches folgen noch einige visionäre Ausblicke von verschiedenen Christen, wie denn das Christentum in 30 Jahren aussehen könnte. Dieser Teil hat mich nicht so besonders angesprochen, weil die meisten als Vision einfach nur das genaue Gegenteil all der kritisch wahrgenommenen Punkte anführen. Das ist ja schön, aber da wird nicht mehr viel Neues gesagt. Nur ein Zitat von Rick Warren habe ich mir als besonders treffend markiert: „Seit einiger Zeit sind nun die Hände und Füße des Leibes Christi amputiert und wir beschränken uns auf einen großen Mund. Wir reden viel mehr als wir tun. Es ist Zeit, dass wir diese Glieder an den Rumpf anfügen…“ (S. 245)

Für mich ist dieses Buch provozierend und motivierend. Es provoziert, weil uns bequemen und egoistischen Wohlstands- und Wohlfühlchristen ein Spiegel vorgehalten wird. Mit unserer Art den Glauben zu leben haben wir uns in vielen Punkten von Jesus selbst entfernt und wir leben einen „unchristlichen“ Glauben. An manchen Stellen fühlte ich mich auch überfordert, denn wirklich so selbstlos zu leben wie es Jesus tat, überfordert jeden. Aber in dem Buch wird ja unter anderem auch gefordert, dass wir auch in unserem Versagen und unserer Unfähigkeit authentisch bleiben sollen. Das Buch motiviert, weil nicht nur über Missstände gejammert wird, sondern immer auch konkrete Hinweise für Veränderung gegeben werden. Und es motiviert, weil immer wieder deutlich wird, dass viele Menschen durchaus offen für die wirkliche Botschaft Jesu sind.

Durch die Reformation und Martin Luther haben wir das Wort Gottes wieder ganz neu entdeckt: Gott spricht uns frei, er spricht uns gerecht und das ganz unabhängig von all unserer Leistung. Das ist richtig und wichtig, aber es ist nicht alles. Als gerechtfertigte Menschen, die Frieden mit Gott gefunden haben, stehen wir immer wieder neu vor der Herausforderung diesen Frieden in unserm Alltag mit Leben zu füllen. Nicht deswegen, weil wir uns damit vor Gott etwas verdienen könnten, sondern deswegen weil wir als Leib Christi nicht nur von Christus reden sollen, sondern sein Handeln in die Welt tragen sollen.

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