Kinnaman/Lyons: unChristian (Teil 6) – zu politisch

Ein Kapitel, das mich jetzt nicht so angesprochen hat. Ich denke dass im Bereich der Politik die Situation hier in Deutschland doch beträchtlich anders ist als in den USA. Dort haben Evangelikale einen relativ großen politischen Einfluss – hier in Deutschland sind bekennende Christen in der Politik eher eine Seltenheit. Bei uns wird zwischen Politik und Glaube stärker getrennt.

In den USA werden Christen von Außenseitern als zu stark verbunden gesehen mit politischen Zielen und einer rechtsgerichteten Politik. Kinnaman plädiert aber nicht für eine Abkehr der Christen aus der Politik, denn Politik sei ein wichtiger Faktor um Kultur zu beeinflussen und ein wichtiger Bereich um christliche Ansichten deutlich zu machen. Wichtig ist aber, dass Christen wahrnehmen und anerkennen, dass die Thematik sehr komplex ist – man kann Christen und Nichtchristen nicht so einfach politischen Lager zurechnen. Zugleich müssen sich Christen in politischer Verantwortung bewusst sein, dass sie zu ganz unterschiedlichen Zielgruppen sprechen: Es hören nicht nur die evangelikalen Christen zu, sondern auch andere Christen und Nichtchristen. Die Weltsicht, die jeweil dahinter steht ist total unterschiedlich und so werden Aussagen auch ganz unterschiedlich wahrgenommen. Politische Aussagen müssen also sehr gut überlegt sein.

Gerade weil sich unter jungen Leuten das Weltbild stark verändert ist es wichtig, dass Christen ein biblisches Weltbild vertreten. Aber sie müssen darauf achten, mit welchen Methoden und Ansätzen sie diese Ansichten vertreten. Denn gerade an der Art und Weise wie viele Christen ihre Politik vertreten entzündet sich die Kritik. Viele haben den Eindruck, dass Christen eine Politik vertreten, die nur ihnen selbst nützt, anstatt auch für andere das Beste zu wollen.

Als Anregungen gibt Kinnaman folgende Hinweise:

  • Es ist wichtig die richtige Balance zwischen zu politisch und zu wenig politisch zu suchen (es gibt auch andere Möglichkeiten um Ansichten von Menschen zu beeinflussen: Filme, Fernsehen, Bücher, Magazine, Internet, Musik u.a.).
  • Um politische Ziele zu erreichen, darf man nicht seine Integrität auf’s Spiel setzen.
  • DIe Meinung von anderen darf nicht dämonisiert werden.
  • Die politischen Gegner sollten mit Respekt behandelt werden.
  • Scheinheiligkeit im Politischen ist fatal („Christen leben selbst nicht das, was in der Bibel steht, warum wollen sie allen anderen erzählen, wie sie zu leben haben?“).

Mir wurde in diesem Kapitel eher deutlich, dass ich mich zu wenig auf politische Zusammenhänge einlasse. Für sind Politik und Glaube zwei unterschiedliche Welten. Für manche deutsche Christen ist wohl eher die Privatisierung des Glaubens ein Problem. Die Einstellung, dass es nur um mich und meinen Herrn geht ist eine Verengung des Evangeliums.

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