Kinnaman/Lyons: unChristian (Teil 4) – antihomosexuell

Wenn Christen vor allem für das bekannt sind wogegen sie sind (vgl. Teil 1), dann ist ganz logisch dass dazu auch das Stichwort Homosexualität zählt. In den USA ist die Diskussion darüber ganz sicher schärfer und verbitterter, aber auch in Deutschland bekommen Christen zunehmend Gegenwind zu spüren, wenn sie sich gegen Homosexualität aussprechen. So gab es z.B. scharfe Kritik gegen ein geplantes Seminar auf dem Christival 2008 über Homosexualität (vgl. u.a. einen Artikel dazu auf jesus.de).

Kinnaman möchte nicht an der biblischen Haltung gegenüber Homosexualität herumbasteln, aber er möchte dass wir Christen anders mit den betroffenen Personen umgehen. Für viele Nichtchristen ist die „Feindschaft“ (hostility) der Christen gegenüber Homosexuellen geradezu zu einem Synonym für den christlichen Glauben selbst geworden. Wenn es um dieses Thema geht, dann erscheinen wir Christen als arrogant, selbstgerecht und gefühllos – genau das Gegenteil von dem, wie sich Jesus gegenüber Außenseitern verhalten hat.

Für die Beurteilung der Homosexualität ist wichtig, dass von der Bibel her Homosexualität nicht als Sünde angesehen wird, die anders gewertet wird, als andere Sünden. Sünde ist im Kern Rebellion gegen Gott. Und da macht es keinen Unterschied, ob Homosexuelle vom gleichen Geschlecht angezogen werden, oder Heterosexuelle vom anderen Geschlecht angezogen werden. Kinnman geht es also zunächst einmal um die richige Gewichtung: Homosexualität wird von vielen Christen als die eine große Sünde angesehen, die man auf besondere Weise bekämpfen muss. Ist sie aber nicht: Sie ist nur eine Sünde unter vielen. Und jeder von uns ist Sünder. Nur wird um Dinge wie Stolz, Egoismus, Geldgier oder Lästern kein solch ein Trara gemacht wie um die Homosexualität.

Daneben betont der Autor, dass es ein entscheidender Unterschied ist, ob man gegen Homosexualität ist oder gegen Homosexuelle. Gerade bei diesem Thema scheint es uns besonders schwer zu fallen zwischen Sünde und Sünder zu unterscheiden. Des weiteren wird in dem Buch ausgeführt, dass sich die Haltung der Gesellschaft zur Homosexualität verändert. Unter jüngeren Menschen wird sie zunehmend als ganz normaler Lebensstil akzeptiert. Das ändert nichts an der biblischen Beurteilung, aber es macht deutlich, dass unter jüngeren Menschen noch sehr viel genauer darauf geachtet wird, ob Christen herablassend und überheblich mit Homosexuellen umgehen, oder ob sie sich ihnen liebevoll zuwenden.

Wie sieht eine biblische Antwort aus? Dazu werden einige Punkte angeführt:

  • Die Komplexität des Themas anerkennen (jeder hat mit sexuellen Problemen zu kämpfen und auch in Beziehung auf Homosexuelle gibt es nicht ein einfaches gut oder böse Schema)
  • Durch Gespräche Türen öffnen (viele Christen haben eine Scheu vor Beziehungen mit Homosexuellen, aber nur durch Gespräche und Begegnungen kann der Respekt füreinander wachsen)
  • Andere Christen mit Respekt behandeln (es kommt nicht so sehr darauf an, unsere Rechtgläubigkeit dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass wir gegen Homosexualität sind, sondern es ist viel wichtiger, dass Menschen erreicht werden, die Jesus brauchen)
  • Die richtige Perspektive gewinnen (wirkliche Veränderung kann man nicht mit Politik und staatlichen Gesetzen bewirken, sondern nur wenn man die Herzen von Menschen verändert)
  • Sich um Kinder kümmern (bei der Frage, ob Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen, sollte unser wichtigstes Anliegen sein, wie Kinder Christus begegnen können und nicht wie sie aufwachsen)
  • Mitgefühl haben (wir müssen lernen die Menschen nicht im Licht dessen zu sehen, was sie tun oder nicht tun, sondern im Licht dessen, was sie erleiden)

Shayne Wheeler meint zu dem Thema, dass Christen vielleicht sagen, dass sie die Sünder lieben und die Sünde hassen, aber bei den Homosexuellen kommt durch unser Verhalten an: „Gott hasst Schwule!“ Dabei sollten wir bedenken, dass bei jedem Menschen die Linie zwischen Gut und Böse direkt durch sein Herz verläuft (nach einem Zitat von Solzhenitsyn). Chris Seay betont, dass wir uns zu sehr auf Moral konzentrieren anstatt auf das was Christsein wirklich ausmacht. Und auch wenn es um Moral geht, so können wir Moral nicht verändern, wenn die Menschen nicht zuvor Jesus kennen gelernt haben. Alfred Ells sieht Homosexualität als nur eine Facette einer sexuell zerbrochenen Gesellschaft. Auch wenn wir Homosexualität nicht akzeptieren, so müssen wir doch freundlich, mitfühlend, umsorgend und hilfbereit mit allen sein, die mit ihrer Sexualität zu kämpfen haben. Und er ergänzt dass er in der Seelsorge viel mehr mit sexuellen Problemen von Heterosexuellen zu tun hat (vom Ehebruch bis zur Abhängigkeit von Pornographie) als mit Homosexuellen.

Mir ist bei diesem Kapitel deutlich geworden, dass ein einfaches „Homosexualität ist schlecht“ viel zu platt ist. Der Satz dass man die Sünde hassen soll und den Sünder lieben, den lassen wir oft nur in der Theorie stehen und schaffen es nicht, ihn wirklich umzusetzen. Ich musste auch immer wieder an Jesus selbst denken, wie er mit Leuten umgegangen ist, die von der religiösen Elite gemieden wurde. Er hatte keinerlei Berührungsängste mit Huren, Zöllnern und Ehebrechern. Er hat wirklich den Menschen gesehen, er hat ihre Wunden, Verletzungen und Sehnsüchte gesehen und ihnen geholfen, Frieden zu finden. Dabei hat er Sünde nicht verschwiegen, sondern sie oft direkt angesprochen. Aber er hat mit seinem Verhalten die Liebe zum Sünder immer ganz deutlich gemacht. Gegenüber den „Rechtgläubigen“ war er da sehr viel härter.

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Ein Gedanke zu „Kinnaman/Lyons: unChristian (Teil 4) – antihomosexuell“

  1. Ein toller Beitrag. Ich frage mich auch oft, warum wir Menschen immer wieder anfangen die Sünden zu gewichten und uns dementsprechend komisch verhalten im Bezug auf manche Sünden, vor allem auf die im sexuellen Bereich. Wie schnell werden wir dabei überheblich, obwohl schon das, genau so eine Sünde ist. Wenn nicht noch schlimmer, denn wir wissen es besser. Mehr Demut für alle. Dann können wir auch Sündern (wie wir selbst es sind) wieder mit der Liebe Gottes begegnen.

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