Kinnaman/Lyons: unChristian (Teil 3) – Bekehre dich!

Christen sind zu beschäftigt damit, andere Leute zu bekehren anstatt sich wirklich um sie zu kümmern – das ist ein weiterer Punkt wie Christen (in den USA) von Außenseitern wahrgenommen werden. Viele haben das Gefühl, dass sie – noch bevor ein Wort gesprochen wurde – bei Begegnungen mit Christen schon wissen, was sie wollen: Sie wollen bekehren! Christen vermitteln den Eindruck, dass sie nicht wirklich am Gegenüber als individueller Person interessiert sind, sondern es nur als Missionsobjekt betrachten.

DIe Autoren sprechen einige falsche Vorstellungen an, wenn es um Evagelisation geht. Eine falsche Vorstellung ist z.B. dass man mit logischen Argumenten Menschen vom Glauben überzeugen kann. Das stimmt aber nicht: der wichtigste Faktor, um Christ zu werden ist, dass es „sich richtig anfühlt“ – d.h. also dass das Gefühl viel wichtiger ist, als der Verstand. Für die Situation in den USA gilt auch, dass die meisten jungen Menschen keine völligen Außenseiter sind, sondern sie sind ent-kirchlichte Menschen. Fast jeder hat Erfahrungen (oft sogar eine Bekehrungs-Erfahrung) mit dem Glauben gemacht und hat sich dann im Lauf der Jahre wieder innerlich vom Christentum entfernt. Es gibt in Amerika ein breites Interesse am Christentum, aber es geht nicht sehr tief. Gerade solche Menschen sind sehr sensibel gegenüber platten Missionsgesprächen.

Schuld an dieser Sicht der Christen ist auch, dass der Zugang zum Glauben oft zu einseitig und einfach auf die Bekehrung reduziert wurde. Wenn der Weg in die Nachfolge Christi nur auf eine einfache und wenig fordernde Entscheidung fokusiert wird, dann wird daraus ein Glaube folgen, der nicht sehr lange hält. Der Startpunkt der Nachfolge darf aber kein Ersatz für die Nachfolge selbst sein! Gegen diesen Trend ist es wichtig Glaube nicht allein an der Bekehrungserfahrung fest zu machen, sondern Glaube als eine spirituelle Transformation anzusehen, die tiefer geht und die das ganze Leben durchzieht.

„If outsiders stop listening, we cannot just turn up the volume.“ (S. 84; „Wenn Außenstehende aufhören zu zuhören, dann bringt es nichts einfach nur die Lautstärke hoch zu drehen). Wir müssen nicht lauter schreien, sondern tiefer gehen. D.h. dass wir Beziehungen zu Menschen suchen und pflegen müssen und dass wir ein Umfeld schaffen müssen, in welchem tiefe spirituelle Transformation stattfinden kann.

Wie bei jedem Kapitel folgen auch in diesem 4. Kapitel des Buches verschiedene Stimmen von christlichen Leitern und Persönlichkeiten. Rick McKinley meint zu diesem Thema, dass wir das Evangelium nicht reduzieren sollten auf eine „Was-ist-für-mich-drin“-Botschaft, die Leute denken lässt, dass Jesus nur dazu existiert ihr Wohlbefinden zu steigern. Ich verstehe das so, dass wir von Anfang an klar machen, dass Nachfolge etwas kostet, dass sie nicht nur ein kleines Puzzleteilchen für ein angenehmes Leben ist, sondern dass es dabei um’s Ganze geht. Chuck Colson meint, dass das Christentum am Anfang gewachsen ist, weil Christen das Evangelium getan haben (und nicht nur davon geredet haben) und weil sie eine Gemeinschaft hatten, in welcher die Menschen einander wirklich liebten.

Wahrscheinlich ist die Situation hier bei uns in Deutschland noch einmal ein bisschen anders und nicht alles so einfach übertragbar. Ich glaube nicht dass ein Großteil der Christen hier durch zu agressive und oberflächliche Mission auffällt. Ich beobachte da eher eine zu große Vorsicht. Aber auch für uns gilt, dass es wichtig ist die Menschen zu sehen und nicht die Missionsobjekte. Und auch die Versuchung die Kosten der Nachfolge herunter zu spielen ist eine universelle Versuchung, unabhängig von Zeit und Kultur. Mir wurde bei diesem Kapitel wieder neu deutlich, was wir eigentlich schon lange wissen: Die Beziehungen zu Menschen sind wichtig, viel wichtiger als alle Großveranstaltungen und alle Evangelisationsprogramme.

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