Kinnaman/Lyons: unChristian (Teil 1)

So langsam fängt’s an mich zu fesseln. In dem amerikanischen Buch, das ich gerade lese, stellen die Autoren eine Studie vor, bei der es um die Frage geht: Was halten junge Menschen wirklich vom christlichen Glauben. Dazu wurden Jugendliche und junge Erwachsene befragt, die keine oder nur lose Beziehung zum christlichen Glauben haben. Die Ergebnisse werden ausführlich dargestellt und gedeutet. Interessant ist auch, dass dazwischen auch angesehene christliche Leiter mit ihren Einschätzungen zu Wort kommen (Dan Kimball, Jim Wallis, Rick Warren und viele andere).

Auf den ersten Seiten hatte ich noch öfters das Gefühl, dass das für unsere deutsche Situation nicht sehr viel austrägt. In Amerika herrscht eine ganz andere kirchliche Situation. Der christliche Glaube ist sehr viel mehr in der Gesellschaft verankert. Das Christentum ist sehr viel präsenter im amerikanischen Leben und in der Politik. Hier in Deutschland sind wir ja eher eine Randgruppe, wir sind die Exoten. Aber im Lauf des Buches hab ich doch immer mehr das Gefühl, dass auch bei unterschiedlichen Ausgangspositionen, die grundsätzlichen Probleme junger Menschen mit dem Glauben hier bei uns ähnlich sind.

Ich möchte gerne eine kleine Reihe starten und zu jedem Haupt-Kapitel wichtige Inhalte weitergeben. Das hilft mir selbst beim Überlegen und ist vielleicht auch für andere interessant. Noch eine Zwischenbemerkung: Ich lese das Buch im englischen Original und versuche nach bestem Wissen die Gedankengänge auf deutsch darzustellen. Aber an einige Stellen werden wohl auch englischen Zitate vorkommen…

Nach einer Einführung geht es im 2. Kapitel um die Entdeckung des „unchristlichen“ Glaubens („Discovering unChrisitan faith“). Viele junge Menschen stehen dem Glauben an Jesus zunehmend kritisch und auch feindlich gegenüber. Das ist ein zentrales Ergebnis der Umfragen, die durchgeführt wurden. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Christen bekannter dafür sind, wogegen sie sind, anstatt für das wofür sie stehen. Viele haben den Eindruck, dass das Christentum nicht mehr in der reinen und ursprünglichen Form gelebt wird. „Modern-day Christianity no longer seems christian.“ (S. 29) Das ist dann wohl mit“ unChristian faith“ gemeint: Ein Glaube, der eigentliche nicht mehr christlich ist. Die wichtigsten Kritikpunkte am modernen Christentum werden dann in den folgenden Kapiteln ausführlich behandelt (Scheinheiligekeit – zu sehr darauf fokusiert sein, Leute zu bekehren – Antihomosexuell – überbehütet, im Sinn von altmodisch, langweilig und realitätsfern – zu politisch – verurteilend). Grundlage für diese Meinungen sind nicht in erster Linie säkulare Medien oder der Einfluss antichristlicher Propaganda, sondern eigene Erfahrungen mit Christen (!!!).

Die Antwort für uns Christen liegt für Kinnaman nicht darin, dass wir anfangen unsere Botschaft zu verwässern, sondern dass wir lernen zuzuhören und dass wir wirklich in einen Dialog mit Menschen kommen, die eine kritische Meinung oder einfach nur schlechte Erfahrungen mit Christen haben. Und wir müssen ehrlicher mit uns selbst sein und lernen, nicht mit all zu simplen Standardantworten den Fragen unserer Zeit zu begegnen: „The Christian life looks so simplified and constricted that a new generation no longer recognizes it as a sophisticated, livable response to a complex world.“ (S.40)

Das ist für mich ein erster wichtiger Impuls: Ehrlichkeit und Authentizität bewirkt mehr als geheuchelte Schöne-Welt-Fassade und zu einfache Antworten auf die großen Fragen des Lebens.

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