Kazuo Ishiguro: Never let me go (Alles, was wir geben mussten)

Ishiguro: Never let me goDen Roman habe ich während eines Urlaubs in England auf englisch gelesen. Zuerst hab ich gedacht es liegt an meinen mangelhaften Englisch-Kenntnissen, dass ich so manches des Erzählten nicht gleich verstanden habe oder nicht so richtig einordnen konnte. Mit der Zeit hab ich dann festgestellt, das liegt nicht an meinem Englisch, sondern an der Geschichte.

Eine einundreissigjährige Frau erzählt aus ihrer Kindheit in einer Art Internat in England. Es geht auf der einen Seite um die typischen Schülererfahrungen und um eine sich entwickelnde Dreiecksbeziehung zwischen der Erzählerin Kathy und ihren Mitschülern Tommy und Ruth. Doch von Anfang an merkt man, dass mit diesem „Internat“ etwas nicht stimmt. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was der Hintergrund ist. Die Schüler werden von ihren Aufseherinnen als etwas ganz besonderes bezeichnet, sollen sich gesund ernähren, viel Sport treiben und sich auch künstlerisch entwickeln. Immer wieder kommt eine Frau, „Madame“ genannt, um die besten Schülerkunstwerke für eine Ausstellung mitzunehmen.Viel mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten, denn diese Ungewissheit macht gerade den Reiz der ersten Buchhälfte aus. Die zweite Hälfte fand ich dann inhaltlich nicht mehr so spannend und interessant, wobei es bis fast zum Schluss noch offene Fragen gibt. Wer sich für das Buch interessiert, sollte vorher keine Inhaltsangaben lesen…

Ishiguro erzählt unspektakulär und leicht lesbar. Die großen Knalleffekte fehlen. Als Leser geht es einem ähnlich wie den Kindern von denen er schreibt. Man erfährt irgendwann etwas, das man irgendwie schon wusste oder ahnte.

Insgesamt hinterlässt das Buch bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist Ishiguros Grundidee genial und bietet reichlich Hintergrund, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Er hat mich beim Lesen auf jeden Fall bei der Stange gehalten. Auf der anderen Seite bleiben aber bei mir als Leser so manche Fragen offen und die Entfaltung seiner Grundidee sehe ich manche logische Schwächen. Auch die Dreiecksbeziehung bleibt etwas farblos und emotionslos. Aber vielleicht wollte der Autor diese Distanz zu großen Gefühlen gerade erzeugen, weil es den Protagonisten des Buches genauso geht? Auf jeden Fall ein Buch zum nach- und weiterdenken.

(Amazon-Link: Kazuo Ishiguro: Never Let Me Go; auf Deutsch: Alles, was wir geben mussten)

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