Juli Zeh: Adler und Engel

Naja, also mein Fall ist dieses Buch nicht. Okay: es ist sehr gut geschrieben, es ist spannend, es eins der Bücher, die ich nicht gleich wieder aus der Hand legen wollte und das mich tatsächlich bis zum Schluss gefesselt hat. Aber irgendwie fand ich’s zu viel des Guten. Zu cool, zu viel reingepackt, zu übertrieben.

Die Hauptperson ist Max. Mit Mitte dreißig steht er eigentlich ganz oben. Er ist erfolgreicher Jurist. Er hat zwar ein kleines Drogenproblem, aber den Stressjob als Jurist hält wohl keiner normaler Mensch ohne Nachhilfe aus. Doch dann wirft es ihn völlig aus der Bahn. Er bekommt einen Anruf von seiner Freundin Jessie, die sich vor seinen Ohren eine Kugel durch den Kopf jagt. Seine Geschichte erzählt er dann der abgebrühten Radiomoderatorin Carla, die nach und nach die Einzelheiten aus ihm herauslockt. Das ganze ist verknüpft und eingebettet in eine ziemlich beunruhigende Liason von großer europäischer Politik und Drogenkartell.

Die ganze Stimmung in dem Buch ist ziemlich düster. Keine der Personen ist so richtig sympathisch. Die Hauptperson Max ist ein richtiger Kotzbrocken, seine Gleichgültigkeit gegenüber anderen Personen widert einen oft an. Das macht Juli Zeh sehr gekonnt: Man wird beim Lesen mit hinein gezogen in diese rauschhafte „es ist sowieso alles egal“-Stimmung der Hauptperson.

Wahrscheinlich hatte ich von dem Buch eine falsche Erwartung. Ich hatte mit mehr Melancholie, mehr Welt- und Herzschmerz gerechnet. Ich hatte mehr mit einem modernen Werther gerechnet und wurde von einem Buch im Stil von „Pulp Fiction“ überrollt. Manche mögen das vielleicht. Aber ich mag mehr die leisen Töne. Mein Fazit: Gutes Buch, aber weniger wäre mehr gewesen. Ich finde sie wollte zu viel reinpacken (inhaltlich und formal).

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