Josua 1,1-6 Sind Verheißungen realistisch oder utopisch?

von windhauch

Ich weiß nicht: irgendwie tue ich mich gerade schwer mit all den tollen Verheißungen, die Gott in der Bibel gibt und die sich dann im Nachhinein nicht so überwältigend und problemlos erfüllen, wie sie sich anhören (das ging mir schon bei Hesekiel so und jetzt geht es hier bei Josua genau so weiter). Gott verheißt Josua das Land jenseits des Jordans. Er spricht sogar in der Vergangenheitsform von dem Land, “das ich ihnen, den Israeliten, gegeben habe” (V.2). Er verspricht, dass jeden Flecken Erden, den ihre Fußsohlen berühren werden ihnen gehört und dass dem Josua niemand widerstehen wird – sein Leben lang. Es werden auch konkrete Grenzen des verheißenen Landes genannt.

Wenn man dann die spätere Realität anschaut, dann sieht das Ganze etwas nüchterner aus: Die angegebene Ausdehnung des Landes wurde nur sehr viel später für kurze Zeit unter David und Salomo tatsächlich erreicht. Davor und danach war das Gebiet Israels wesentlich kleiner. Josua selbst konnte diese kurze Erfüllung nie so erleben. Und auch die Landnahme erwies sich schwieriger als gedacht, sie war mit vielen Kämpfen verbunden. Es war bei weitem nicht so, dass die Israeliten sich nur noch in dem von Gott gegebenen Land ansiedeln mussten.

Ist das das Wesen von Verheißungen, dass sie über das Ziel hinaus schießen, dass sie immer größer und utopischer sind, als sie sich dann tatsächlich erfüllen? Brauchen wir dieses “Mehr” an Hoffnung und Zuversicht, um es überhaupt zu wagen, über den Jordan zu gehen? Setzt Gott bewusst größere Anreize, damit wir unseren faulen Arsch hochheben und überhaupt mal in die richtige Richtung gehen? Oder sind am Ende wir selbst schuld, weil wir diesen großartigen Verheißungen nicht genug Vertrauen schenken und sie sich dann zur Strafe auch nicht vollständig erfüllen? Bei Josua war es zumindest so, dass die Israeliten das verheißene Land nicht einfach von Gott in den Schoss gelegt bekamen, sondern dass sie es blutig erkämpfen mussten. Aber was bringt mir dann eine Verheißung, die ich erst selbst hart erkämpfen muss?

| Bibeltext |

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