Johannes 8, 37-47 Warum glaubt ihr nicht?

Das Johannesevangelium ringt mit der Frage des Unglaubens. Wie kann es sein, dass der Sohn Gottes den Menschen begegnet, sie ihn leibhaftig vor sich sehen, sie seine Worte hören und sie dennoch nicht glauben? Wie kann es sein, dass Jesus ihnen die Wahrheit offenbart und sie erkennen diese Wahrheit nicht? Jesus selbst fragt sich hier: „Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht?“ (V.16b)

Eine logische Erklärung scheint zu sein, dass der Feind Gottes, der Teufel, seine Finger mit im Spiel hat: „Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte; ihr hört darum nicht, weil ihr nicht von Gott seid.“ (V.47) Ich finde diese Antwort nicht wirklich befriedigend. Sicher hat der Teufel sein Finger mit im Spiel, wenn Menschen nicht glauben können und wollen. Aber ist Gott nicht mächtiger als der Teufel? Und will Gott nicht, dass alle Menschen gerettet werden?

Die andere Alternative wäre, die Freiheit der Menschen zu betonen. Gott respektiert den freien Willen der Menschen. Wer sich von Gott abwendet, der muss auch die Konsequenzen seines Handelns tragen. Der Mensch ist nicht fremdbestimmt vom Teufel, sondern selbst für seine Entscheidung gegenüber Gott verantwortlich. Nicht der Teufel oder eine Vorherbestimmung zum Unheil ist Schuld, sondern der Mensch selbst.

In der Bibel finden sich Hinweise für beide Extrempositionen. In diesem Johannestext wird sehr stark die erste Sicht betont. An anderen Stellen wird die Verantwortung der Menschen betont. Irgendwie haben wohl beide Sichtweisen ihre Berechtigung, ohne dass wir die dabei entstehenden Widersprüche völlig auflösen können. Warum manche Menschen zum Glauben finden und andere nicht, bleibt letztendlich ein unverfügbares Rätsel.

| Bibeltext |

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