Johannes 8, 30-36 Wirklich frei?

„Sie reden irgendwie von Freiheit. Gott und Glaube machen frei, aber gleichzeitig stellen sie so viele Regeln und Gesetze auf, die man alle einhalten muss, weil man sonst nicht mehr bei Gott ist“ (Faix, Hoffmann, Künkler: Warum ich nicht mehr glaube, S.75). Ja, wie ist es mit der Freiheit, die Jesus verspricht? Sind wir Christen wirklich frei? Und wenn ja, wieso empfinden dann viele Menschen Gemeinde und Kirche mit ihren vielen Regeln und Vorschriften als einengend und unfrei?

Der Knackpunkt steckt wahrscheinlich in der Aussage: „Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.“ (V.34b) Wir merken auch als Christen, dass wir nicht perfekt sind, wir machen nach wie vor Fehler, wir sind nicht sündlos. Wir sind nur insofern ohne Sünde, als uns die Sünde vergeben wird. Aber Jesus spricht hier ja explizit vom Sünde „tun“. Können wir dann je richtig frei sein? Wir versuchen uns mit Regeln und Vorschriften vor sündigen Taten abzusichern. Aber macht uns das frei? Die Gefahr ist, dass wir entweder resigniert und nachlässig werden, oder dass wir die Regeln und Vorschriften immer mehr verschärfen, um ja nicht Sünde zu tun.

Vielleicht geht es Jesus an dieser Stelle nicht um die Freiheit von allen möglichen einzelnen Tatsünden, sondern um die Freiheit von der einen Sünde: der Trennung von Gott. Jesus spricht hier von Sünde in der Einzahl und nicht von Sünden in der Mehrzahl. Von einzelnen Tatsünden werden wir hier auf Erden wohl nie völlig frei sein. Wir bleiben auf Gottes Vergebung angewiesen. Aber wenn wir Jesus vertrauen, dann dürfen wir frei sein von der einen grundlegenden Sünde. Das ist die Wahrheit, die uns frei macht. Nicht von allen einzelnen Tatsünden, aber von der Angst, vor Gott nicht bestehen zu können.

| Bibeltext |

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