Johannes 6, 22-34 Was tust du für ein Zeichen?

In ähnlicher Weise wie die Frau am Jakobsbrunnen (Joh.4) zunächst nicht so richtig versteht, was Jesus meint, wenn er von lebendigem Wasser spricht, so verstehen auch hier die Zuhörer zunächst nicht richtig, was Jesus meint, wenn er von eine Speise spricht, die nicht vergänglich ist. Die Menschen haben ganz handfest erlebt, wie Jesus sie mit irdischem Brot satt gemacht hat. Jetzt sagt Jesus, dass sie eine andere Speise brauchen, eine Speise die zum ewigen Leben führt.

Die logische Frage ist dann: Was sollen wir denn tun? (V.28) Jesus sagt: An mich glauben! (V.29) Daraufhin fordern die Leute Zeichen. Sie wollen eine Grundlage für ihren Glauben, für ihr Vertrauen. Dabei haben sie doch kurz zuvor das Zeichen der wunderbaren Brotvermehrung miterlebt. Vielleicht ist gerade das eine Gefahr von Zeichen: man möchte immer wieder neu ein Zeichen, am besten noch ein deutlicheres und eindrucksvolleres.

Allerdings kann ich die Frage nach einem deutlichen Zeichen auch ganz gut verstehen. Es gab ja auch in der Bibel Menschen, die von Gott ein deutliches Zeichen wollten, ob ein bestimmter Weg der von Gott gewollte Weg ist. Glaube muss doch immer wieder auch konkret erfahren und erlebt werden – auch wenn es nur zeichenhaft ist. Ansonsten wäre es ja nur eine Vertröstung auf eine ferne Zukunft. Insofern macht die Spannung im Johannesevanglium durchaus Sinn: auf der einen Seite tut Jesus Zeichen und Wunder, auf der anderen Seite kritisiert er eine reine Zeichengläubigkeit. Denn letztendlich kommt es nicht darauf an, auf Zeichen zu vertrauen, sondern auf Gott.

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