Johannes 5, 9b-18 Krankheit und Sünde

In diesem Abschnitt finde ich V.14 irritierend. Jesus sagt zu dem Geheilten: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.“ Das klingt so, als ob Jesus die damals übliche Vorstellung vertritt, dass Krankheit eine Folge von Sünde sei. Das Schlimmere ist jedoch nicht eine schlimmere Krankheit, sondern dabei ist an den Verlust des ewigen Lebens gedacht. Trotzdem impliziert die Aussage den Zusammenhang von Sünde und Krankheit.

Gerade im Johannesevangelium wird dieser Zusammenhang von Jesus bei der Heilung eines Blindgeborenen aufgebrochen (Joh. 9,1-3). Dort stellen die Jünger Jesu genau diese Frage: Wer ist schuld daran, dass dieser Mensch blind geboren wurde? Welche Sünde ist für diese Krankheit verantwortlich? Jesus antwortet, dass weder er noch seine Eltern gesündigt haben. In diesem Fall gibt es also eindeutig keinen Zusammenhang zwischen Sünde und Krankheit.

Was gilt nun? Ich denke das Johannesevangelium gibt hier ganz bewusst keine eindeutige Antwort in die eine oder andere Richtung. Irgendwie haben wohl beide Sichtweisen ihre Berechtigung. Es ist ein grundlegender biblischer Gedanke, dass Sünde Folgen hat. Auch wenn Sünde vergeben wird, so haben böse Taten doch auch Auswirkungen, die nicht immer einfach rückgängig gemacht werden können. Eine Lüge kann z.B. vergeben werden, aber sie kann nicht rückgängig gemacht werden. So kann auch Krankheit eine Folge von Sünde sein. Aber wichtig ist festzuhalten, dass dies für Jesus kein automatisches Gesetz ist. Schon gar keine Gesetzmäßigkeit aus der man Rückschlüsse ziehen kann. Nicht jede Krankheit ist eine Folge von Sünde.

| Bibeltext |

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