Johannes 4, 19-26 Wo beten wir Gott an?

Die Frau scheint einem Gespräch über ihre persönliche Situation ausweichen. Sie lenkt das Thema auf die theologischen Unterschiede im Glauben der Samariter und der Juden. Die richtige Gottesanbetung ist in der damaligen Vorstellung noch viel mehr als bei uns auch an den richtigen Ort gebunden. Die Samariter beten Gott auf dem Berg Garizim an, für die Juden ist Jerusalem der wichtigste Ort um Gott anzubeten.

Für Jesus ist der Ort zweitrangig. Wichtig ist, Gott „im Geist und in der Wahrheit“ (V.23f) anzubeten. Dabei meint Geist nicht den menschlichen Geist, so dass wahre Anbetung nur innerlich geschehen kann, sondern es geht um den Geist Gottes. Wenn der Geist Gottes gegenwärtig ist, dann spielt der Ort keine Rolle. „Wahrheit“ ist im Johannesevangelium ein Schlüsselbegriff. Auf den Punkt gebracht, ist Jesus selbst die Wahrheit (Joh. 14,6). Nur in ihm und durch das, was er uns von Gott offenbart, können wir Gott in Wahrheit anbeten.

Ich denke in unserer heutigen Zeit stehen wir eher in der Gefahr, den Ort der wahren Gottesanbetung zu vernachlässigen. Wir haben richtig erkannt, dass es letztendlich keine Rolle spielt, wo wir sind: Gott kann überall da sein. Aber dadurch stehen wir in der Gefahr, dass unser Glaube zu einer sehr individuellen und beliebigen Sache wird. Wenn Gott überall ist, dann gibt es keine Orte der besonderen Nähe. Vielleicht können uns bestimmte Orte auch helfen, um uns Gottes Gegenwart besser bewusst zu werden.

| Bibeltext |

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.