Johannes 19, 1-16 Seht welch ein Mensch!

Wie so oft bei Johannes schwingen auch hier bei der Darstellung der Ereignisse jede Menge Untertöne mit. Das trifft vor allem bei der Beschreibung des Pilatus zu. Er ist eigentlich derjenige, der die Macht hat. Er kann über Tod und Leben entscheiden. Er ist eigentlich die starke Figur in diesem Geschehen. Aber Johannes arbeitet sehr schön seine Ratlosigkeit, Hilflosigkeit und sogar Ängstlichkeit heraus. Pilatus erkennt keine Schuld bei Jesus, er fürchtet sich sogar vor ihm (V.8). Aber noch mehr fürchtet er sich wohl vor der schreienden Menge und gibt letztendlich kläglich nach.

Jesus ist eigentlich die schwache und gedemütigte Person in diesem Geschehen. Aber er tritt auf wie ein König. Er ist der einzige der wirklich begreift, was hier vor sich geht. Die spöttischen Worte des Pilatus: „Seht, welch ein Mensch!“ (V.5) werden auf dieser Ebene fast schon zu einem Ausruf des ehrwürdigen Staunens.

Die Menge meint, Gott zu dienen, indem sie gegen Jesus schreien. Aber in ihrem Eifer entfernen sie sich gerade um so mehr von Gott. Johannes treibt es ironisch auf die Spitze, indem er den Ruf des Hohenpriestern überliefert: „Wir haben keinen König als den Kaiser!“ (V.15) Unter normalen Umständen würde ein gläubiger Jude lieber sterben, als so etwas zu behaupten. Denn natürlich ist nicht der Kaiser der König Israels, sondern Gott selbst.

| Bibeltext |

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