Johannes 14, 12-24 Größere Werke

Was für eine Verheißung: Wer an Jesus glaubt, der wird noch größere Werke tun als er (V.12)! Gigantisch! Aber in der Praxis kann das oft zu mehr Frust als Freude führen. Johannes berichtet ja von so manchen Zeichen und Wundern, die Jesus getan hat. Wenn ich im Vergleich dazu mein Glaubensleben anschaue, dann sieht das ernüchternd aus: Ich hab noch nie Wasser in Wein verwandelt, ich habe noch nie Brot vermehrt, ich habe noch nie Blinde sehend gemacht, ich habe noch nie Tote auferweckt… Was mache ich falsch? Habe ich nicht genug Glauben? Das scheint die einzig logische Erklärung zu sein – denn sonst müsste sich ja Jesus mit seiner Verheißung getäuscht haben. Und schon ist aus dieser wundervollen Verheißung ein Text geworden, der mich belastet, bedrückt und entmutigt.

Wie meint Jesus das? Um was geht es ihm? Was sind die größeren Werke, die seine Jünger tun werden? Ich glaube nicht, dass es Jesus darum geht, uns unseren fehlenden Glauben unter die Nase zu reiben. Vielleicht sind mit den größeren Werken nicht Wunder und Zeichen gemeint, welche Menschen auf äußerliche Weise beeindrucken. Vielleicht geht es in erster Linie um das große Wunder, dass Menschen zum Glauben finden. Wenn wir das Johannesevangelium lesen, dann stellen wir fest, dass durch Jesus selbst nur wenige Menschen zu einem echten und tiefen Glauben gefunden haben. Die meisten seiner Zeitgenossen haben am Ende geschrien: „Kreuzige ihn!“ – Auch wenn sie vielleicht davor kurzfristig über seine Wunder und Zeichen begeistert waren.

Aus dieser kleinen jüdischen Bewegung um Jesus von Nazareth herum ist heute eine weltumspannende Gemeinschaft geworden. Auch heute noch finden Menschen durch uns Christen zum Glauben. Vielleicht ist das eines der größeren Werke, die Gott durch uns auch heute noch tut.

| Bibeltext |

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