Johannes 1, 19-28 Wegbereiter

Es ist im Johannesevangelium auffällig, welchen breiten Raum Johannes der Täufer in der Darstellung einnimmt. Schon im Prolog (Joh.1,1-14) wird zweimal auf ihn verwiesen. Auch danach folgt keine Geburtsgeschichte Jesu, sondern sofort die Auseinandersetzung mit der Rolle des Täufers. Man kann vermuten, dass es zur Zeit der Abfassung des Evangeliums eine Konkurrenz zwischen Jünger Jesu und Jünger des Täufers gab. In manchen Kreisen wurde wohl auch Johannes der Täufer als endzeitlicher Retter gesehen. Das Johannesevangelium betont dagegen deutlich, dass schon der Täufer selbst sich ganz bewusst als Wegbereiter Jesu verstanden hat. Er sah sich selbst nicht als der erwartete Messias, sondern er wollte auf Jesus verweisen.

Die hier dargestellte Demut des Täufers beeindruckt mich. Echte und ernst gemeinte Demut, die nicht aus Minderwertigkeitskomplexen heraus entsteht, ist heute auch unter Christen selten. Mir geht es ja selbst so. Versuche wir wirklich dem Herrn den Weg zu ebnen? Oder sind wir nicht oft genug unsere eigenen Herren? Suchen wir im Glauben nicht in erster Linie Glück und Erfüllung für uns selbst? Suchen wir nicht in erster Linie Trost und Halt für unser unruhiges Herz? Können wir wirklich demütig weg von uns selbst schauen und nur auf Gott sehen? Geht das denn überhaupt? Wenn ich mich selbst anschaue und auch andere Christen, dann sehe ich soviel „Ich, ich, ich!“ und so wenig „Du“. Das ist so manches mal verborgen unter einem frommen Deckmantel einer scheinbaren Demut. Aber dieser Deckmantel ist meist sehr dünn.

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