Jesaja 66 – Unser Gott: Ganz schön extrem!

Wow, geschafft! Einmal ganz durch durch das Buch Jesaja. Hat ganz schön lang gedauert – aber tat gut. Hab noch nie so intensiv diesen Propheten gelesen. Im letzten Kapitel werden noch mal die wichtigen Themen angesprochen: Heil und Gericht. Beides steht hier einfach nebeneinander und das Gericht wird auch nicht relativiert. Heil für die Elenden, die zerbrochenen Geistes sind und die Ehrfurcht vor Gottes Heiligkeit haben. Zorn und Gericht für die, die nicht auf Gott hörten und die über Gottes Verheißungen lästern.

Eine Stelle hat mich zum schmunzeln gebracht:

„Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an dem Reichtum ihrer Mutterbrust.“ (Jes. 66,10-11)

Sowas dürfte man heute ja gar nicht mehr schreiben. Für solche kraftvollen und ursprünglichen Bilder sind wir heute viel zu vorsichtig geworden. Aber schön, dass so etwas in der Bibel steht. Wahsinn ist ja, was dann wenige Verse danach steht:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes. 66,13)

Ungewöhnlich finde ich nicht, dass Gott mit einer Mutter verglichen wird, sondern dass es im Zusammenhang mit den tröstenden Brüsten Jerusalems steht. Aber jetzt ist nicht mehr Jerusalem die Mutter, sondern Gott selbst. Wie von selbst entsteht beim Leser das Bild von der tröstenden Mutterbrust Gottes. Und das ist doch wirklich ein neues und gewagtes Bild für Gottes Zuwendung.

Das ist ein gutes und wichtiges Gegenbild zu dem Gottesbild der richtenden Gottes, das z.B. in Vers 4 deutliche wird. Dort hat Gott seine Lust daran, den Gottlosen weh zu tun. Ganz schön extrem diese Aussagen über Gott: Auf der einen Seite der absolut Heilige, der mit Zorn und Gericht auf die Abkehr von ihm reagiert. Und auf der anderen Seite Gott als die liebende Mutter, die sich um ihr kleines, hilfloses Kind kümmert und es tröstet. Ja, ganz schön extrem, unser Gott.

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