Jesaja 65 – Etwas Neues

Was sind die Konsequenzen aus diesem Wechselbad der Gefühle und Aussagen im Jesajabuch? Da ist am Anfang viel vom Gericht Gottes die Rede, dann tauchen viele herrliche Verheißungen auf, die fast zu schön klingen um wahr zu sein und dann wird etwas von der Enttäuschung deutlich, dass diese Verheißungen nur so bruchstückhaft eintreffen. Aber auch die Enttäuschung Gottes wird angesprochen: Immer wieder hat er sich um sein Volk bemüht, immer wieder einen neuen Anlauf gemacht, um sie für sich zu gewinnen – und immer wieder ging das Volk in die Irre wie die Schafe. Die Konsequenz ist, jetzt im zweitletzten Kapitel des Buches, dass etwas Neues geschehen muss. Und zwar etwas grundlegend Neues:

„Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“ (Jes. 65,17-19)

In dem Text selbst ist dabei noch nicht an eine ewige, himmlische Welt ohne Tod gedacht, sondern an eine ganz irdische Zeit des Friedens, der Freude und der Gegenwart Gottes. In V.20 ist davon die Rede, dass die Menschen viel länger leben werden und dass als Knabe gilt, wer schon mit hundert Jahren stirbt. In dieser Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde ist die Vergänglichkeit also noch präsent. Aber es leuchtet schon die Erkenntnis auf, dass Gott auf ganz neue Weise eingreifen muss, um endlich die Zerbrochenheit dieser Welt und von uns Menschen zu verändern und zu heilen.

Leben wir durch Jesu Tod und Auferstehung schon in diesem neuen Himmel und dieser neuen Erde? Denn durch IHN hat Gott ja auf ganz neue Weise eingegriffen, hat eine ganz neue Wirklichkeit geschaffen. Wie so oft gilt da das „schon jetzt“ zugleich mit dem „noch nicht“. In Jesus hat die neue Schöpfung angefangen, aber sie ist noch nicht vollendet. Manchmal zerreißt mich diese Spannung fast, weil ich solch eine Sehnsucht nach dem Neuen und Endgültigem habe…

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.