Jesaja 64 – Umkehr

Nach den vorwurfsvollen Fragen nach Gottes Eingreifen im vorigen Kapitel, kommt in Jesaja 64 auch ein Schuldeingeständnis des Volkes:

„Nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsre Sünden tragen uns davon wie der Wind. Niemand ruft deinen Namen an oder macht sich auf, dass er sich an dich halte; denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und lässt uns vergehen unter der Gewalt unsrer Schuld.“ (Jes. 64,5-6)

Wenn wir Gott als verborgen erleben, wenn wir nichts von seiner Gegenwart spüren, wenn wir uns fragen, ob es diesen Gott wirklich gibt, dann gehört dieses Erkennen und Bekennen der eigenen Schuld dazu. Wenn die Beziehungskrise zwischen Gott und Mensch gelöst werden soll, dann müssen wir unser eigenes Versagen erkennen und eingestehen. Wir dürfen nicht bei den Vorwürfen und Klagen gegenüber Gott stehen bleiben, sondern wir müssen bereit sein zur Einsicht und zur Umkehr.

Dieses ganze Bußgebet erinnert mich an das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk.15). Auch dort lässt der Vater, der für Gott steht, es zu, dass der Sohn sich entfernt, dass er eigene Wege geht. Der Sohn stürzt ab, merkt, dass er alleine nicht zurecht kommt. Der entscheidende Punkt für ihn ist: Er sieht seine Fehler ein und kehrt zum Vater zurück. Und der freut sich und feiert ein großes Fest. Interessant ist, dass Jesaja 63 und 64 eine der wenigen Stellen im Alten Testament ist, wo Gott auch Vater genannt wird. Auch wenn wir uns von ihm entfernt haben bleibt er unser Vater und freut sich, wenn wir zu ihm umkehren.

(Anmerkung: Im Alten Testament wird der Vaterbegriff für Gott meist vermieden, weil in heidnischen Kulturen dieser Zeit Gott oft sehr buchstäblich als Vater der Menschheit verehrt wurde. Dort gab es jede Menge Zeugungsmythen, die eine unmittelbare und leibliche Verwandtschaft zwischen Gott und Menschen beschreiben. Gegen diese Zeugungsmythen wollte man sich abgrenzen. Im biblischen Sinn geht es beim Vaterbegriff für Gott nicht um mythische Erklärungen der Herkunft des Menschen, sondern um Gottes Fürsorge und unser vertrauensvolles Verhältnis zu Gott.)

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.