Jesaja 6 – Das andere Gesicht Gottes

Wir lieben ihn – den lieben Gott. Aber was machen wir mit dem anderen Gesicht Gottes? Das Gesicht, das nicht immer freundlich lächelt. Das Gesicht, das zornig und zerstörerisch auf uns verlorene Menschen herabschaut.

Ich lese zur Zeit das Buch Jesaja. Manches ist wohlvertraut, eingängig und man hört es gern. Anderes ist fremd und abstoßend. In Kap. 6 wird erzählt wie Jesaja geradezu umgehauen wird von der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes. Schön! Beeindruckend! Himmlisch! „Heilig, heilig, heilig ist der Herrr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ (Jes. 6,3).

Weniger himmlisch und schön ist die Botschaft, die Jesaja weitergeben muss: Verstockung, Taubheit, Blindheit, Zerstörung, Tod, fast die völlige Auslöschung. Nur ein „Stumpf“ wird übrigbleiben, ein kleiner Rest, ein heiliger Same. Na toll!!! Ist Gott wirklich so? So gnadenlos? So zerstörerisch? Oder sind das nur eindringliche Warnungen, die eigentlich nicht so gemeint sind?

Die Verse über Gottes Güte, Gnade, Barmherzigkeit, Freundlichkeit und Liebe, die suchen wir uns gerne heraus und nehmen sie in Anspruch. Und auch ich rede ja lieber vom stillen, sanften Sausen, als vom zornigen Donnern Gottes. Aber wie ist er wirklich? Können wir diese anderen Stellen einfach ausblenden? Oder relativieren?

Man kann es sich einfach machen und trennen zwischen Sünder und Sünde: Gott haßt die Sünde, aber er liebt den Sünder. Aber wenn man den Worten Jesajas folgt, dann geht der Sünder eben auch mit drauf. Nur ein kleiner, heiliger Rest bleibt übrig… Was tun mit dem anderen Gesicht Gottes?

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