Jesaja 56 – Verantwortete Gnade

Im letzten Kapitel hat Gott seinem Volk noch Wein und Milch verheißen. Jeder der Durst und Hunger hat darf zu Gott kommen und satt werden. In Jes. 53,6 hieß es, dass alle in die Irre gingen wie Schafe und jeder nur auf seinen eigenen Weg geschaut hat. Aber Gott wirft alle Sünden auf den Gottesknecht und das Volk wird durch seine Sünden geheilt. In Jes. 56,11-12 werden nun genau diese Dinge den „Hirten“ des Volkes angekreidet: Jeder sieht nur auf seinen Weg und sie holen sich Wein und saufen sich voll. Gibt es für die Hirten keine Vergebung, wenn sie auf den eigenen Weg schauen? Warum verheißt Gott Wein zum feiern und ist dann sauer, wenn sich manche mit Wein vollsaufen?

Für mich wird damit zweierlei deutlich: Gottes Vergebung ist keine billige Gnade. Man kann sich nicht einfach auf dieser Vergebung ausruhen und sie bei seinem Tun schon als Garantie voraussetzen. Natürlich vergibt Gott gern, aber das heißt nicht, dass ich tun und lassen kann was ich will. Auch wenn Gott mir vergibt, dass ich immer wieder nur auch mich schaue, will er doch auch, dass ich dazu lerne, dass ich immer mehr fähig werde auch andere zu sehen (und in ganz besonderer Weise gilt das für die angesprochenen Hirten des Volkes). Das zweite ist, dass Gott uns zwar Freude und Erfüllung schenken will, dass diese Freude und Erfüllung aber nicht auf die Kosten anderer gehen sollte. Wein ist in der Bibel ein Zeichen der Freude und des Feierns, aber ein zuviel kann auch in Zügellosigkeit, Kontrollverlust und Verantwortungslosigkeit führen. Gottes Geschenke und seine Gnade sollen zur Freude an IHM führen und nicht zur selbstsüchtigen Befriedigung der eigenen Lust. Gnade ist ein großes Geschenk, das uns nicht nur befreit, sondern das uns auch in die Verantwortung nimmt.

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