Jesaja 54 – Ganz schön grün

Ich streich mir beim Bibellesen gerne die wichtigsten Verse an. Und um einen besseren Überblick zu bekommen verwende ich dazu verschiedene Farben. Grün steht bei mir für Verheißung, Zusage, Trost und Ermutigung. In Jesaja 54 hab ich mir fast alles grün angestrichen: Ganz viele tröstende und verheißungsvolle Worte. Zum Teil so übersteigert und übertrieben, dass auch schon den Lesern damals klar gewesen sein muss, dass sich das in der irdischen Wirklichkeit so nie verwirklichen wird (z.B. V. 11: Jerusalem wird verhießen, dass ihre Mauern auf Edelsteine gestellt werden und der Untergrund aus Saphiren bestehen wird). Da geht es um mehr als „nur“ die Rückkehr der Exilierten nach Jerusalem. Das übersteigt jedes menschliche Vorstellungsvermögen. Das öffnet eine Tür in Gottes ewige Herrlichkeit.

Besonders berührt mich immer wieder Vers 7 und 8: Gott hat sein Volk nur einen kleinen Augenblick verlassen und sein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig verborgen – aber mit großer Barmherzigkeit und ewiger Gnade wird er sich dem Volk wieder zuwenden. Nachdem bei Jesaja in den vorderen Kapiteln so viel vom Zorn Gottes und vom Gericht die Rede war und nachdem die Israeliten so viele Jahre ohne sichtbares Eingreifen Gottes im Exil leben mussten, wird hier die Perspektive wieder zurecht gerückt: Das Wesentliche und Entscheidende in Gott ist nicht sein Zorn, sondern seine unendliche Liebe. Dem kleinen Augenblick des Zorns steht ewige Gnade gegenüber. Er hat sein Angesicht nur ein wenig verborgen – nicht völlig und nicht für immer. Gottes Zeitrechnung ist anders als unsere. Was uns lange und unerträglich erscheint, ist bei ihm nur ein kleiner Augenblick. Auch wenn uns manchmal alles dunkel und trostlos erscheint, so ist es doch aus Gottes Perspektive ganz schön grün…

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